[Bilder] High Tea in Devenport

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[Bilder] High Tea in Devenport

Um wirklich verstehen zu können, was ein High Tea ist und woran wir da teilgenommen haben, werde ich einen kurzen theoretisch-historischen Exkurs starten, bevor ich zu unserem eigentlichen Erlebnis komme. Wer also kein Interesse daran hat, woher der Begriff „High Tea“ als solches kommt und warum der Tee hoch ist, der scolle jetzt einfach weiter bis zu den Bildern.

Um die Entstehung des High Tea wirklich begreifen zu können, müssen wir zunächst zu den Ursprüngen des britischen Afternoon Teas zurückgehen, also zu der Entstehung der Englischen Teezeremonie. Tee an sich ist in England bereits seit dem 17. Jahrhundert beliebt und begehrt, wirklich populär wurde Tea als Mahlzeit jedoch erst im 18./19. Jahrhundert. Insbesondere geprägt wurde es jedoch in den 1840ern durch Anna von Bedford, die eine enge Freundin von Königin Victoria war, sich in der Zeit zwischen Lunch und Dinner schwächlich fühlte, sich Kuchen und Tee bestellte und anschließend von dem belebenden Effekt einer Mahlzeit zwischen den Mahlzeiten schwärmte.

Kuchen und Tee gewannen in den höheren Kreisen der Englischen Gesellschaft schnell an großer Beliebtheit, bildeten sie doch einen angenehmen Lückenfüller zwischen dem Lunch und der oft erst am späten Abend eingenommenen letzten Mahlzeit. Ein klassisches Afternoon Tea der damaligen Zeit umfasste neben Tee Sandwiches, Scones, Kuchen, Sahne und Marmelade und wurde nicht selten als ein soziales Event zelebriert.

Zur damaligen Zeit hatte Tee jedoch definitiv noch seinen Preis und war somit nur für die oberen Gesellschaftskreise in großen Mengen erschwinglich. In den unteren Klassen konnte man ihn nicht einfach für einen Snack verschwenden. Wenn die Männer der Arbeiterfamilien nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag gegen 6 Uhr am Abend nach Hause kamen, hätten sie so wie so gar keine Zeit gehabt, sich vorher bequem hinzusetzen und ein Tässchen Tee mit Gebäck zu genießen. Dennoch wollten auch solche Familien in den Genuss von Tee kommen und so wurde dieser ganz einfach in ihr Abendessen einbezogen. Vermutlich kommt der Begriff High Tea daher, dass dieser „Tea“ up high, also hoch oben am Tisch zu sich genommen wurde und nicht bequem auf Sofas oder Sesseln lungernd. Eben wie ein normales Abendessen.

Das High Tea bestand zumeist aus deftigen Gerichten, die gut sättigen und nach einem langen Tag möglichst schnell wieder Energie zur Verfügung stellten. Ein klassisches Tea bestand also aus Brot (oder nennen wir es lieber Toast 😉 ), Gemüse, Käse, eventuell Fleisch und natürlich einer großen Tasse Tee. In einigen Variationen des High Teas wurden auch Pies, Kartoffeln oder Cracker beigelegt. Doch natürlich hing die Zusammensetzung der Mahlzeit auch stark vom Vermögen der Familie ab.

Später übernahmen auch die oberen Schichten der britischen Gesellschaft eine Art High Tea für ihre Abendmahlzeit. Hauptsächlich, weil es leicht vor- und zuzubereiten war und so eine einfache Alternative für solche Tage bot, an denen die Angestellten nicht verfügbar waren. Doch natürlich wurde dieses High Tea noch erweitert und so fanden auch edlere Sachen wie Taube (okay, inwiefern das edel ist, mag ich Infrage stellen), Kalb, Lachs und diverse Früchte Platz. Ein Upgrade zum low-Hig Tea sozusagen:

„A well-understood ‚high tea‘ should have cold roast beef at the top of the table, a cold Yorkshire pie at the bottom and a mighty ham in the middle. The side dishes will comprise soused mackerel, pickled salmon (in due season), sausages and potatoes, etc., etc., rivers of tea, coffee and ale, with dry and buttered toast, sally-lunns, scones, muffins and crumpets, jam and marmalade.” (the Daily Telegraph 1893)

Frei übersetzt: „Ein gut verstandenes ‚High Tea‘ sollte einen kalten Rinderbraten am Anfang, einen Yorkshire Pudding (eine Art Mürbeteig gefüllt mit Gehacktes und anschließend gebacken) am  Ende und einen mächtigen Schinken in der Mitte des Tisches beinhalten. Die Beilagen bestehen aus eingelegter Makrele und Lachs, Würstchen und Kartoffeln, etc., etc., Bächen aus Tee, Kaffee und Ale, und trockenem und gebuttertem Toast, Sally Lunns (süße Hefebrötchen), Scones, Muffins und Crumpets (kleine Hefegebäcke), Gelee und Marmelade“

Man sieht also, es gab in der Vergangenheit definitiv einen merkbaren Unterschied zwischen Afternoon Tea und High Tea. Ersteres war ein oft soziales und tägliches Event der reicheren Schichten, das die Zeit zwischen Lunch und Dinner überbrückte, während  letzteres eine notwendige Mahlzeit in den Arbeiterfamilien war.

Noch bis heute wird ein klassisches High Tea in einigen Teilen des britischen Nordens und Schottlands durchgeführt. Aber auch in den anderen Teilen wird das Abendessen oft Tea genannt. Oder eben auch in Neuseeland.

Der heutige Begriff High Tea beschreibt jedoch nicht mehr das rustikale Abendessen von früher, sondern hat sich international eher als die Bezeichnung für einen klassisch viktorianischen Afternoon Tea durchgesetzt. Also bevor jetzt falsche Erwartungen aufkommen – wir hatten kein füllendes britisches Essen mit viel Fleisch, sondern eben einen Afternoon Tea mit kleinen Snacks und Gebäcken.

Quellen: www.afternoontea.co.uk, www.thespruce.com

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Wer sich für den ganzen Hintergrundquatsch nicht interessiert hat, kann ganz einfach hier wieder mit dem Lesen beginnen. Wir hatten entschieden, unseren High Tea in Devenport einzunehmen und zuvor mit der Fähre vom Stadtzentrum bis dorthin über zu setzen. Bevor es dann wirklich in das Hotel ging, in das High Tea stattfinden würde, beschlossen wir, in einen kleinen Schokokladenladen zu gehen, der seine eigenen Pralinen etc. herstellt. Mit je zwei Pralinen im Gepäck ging es dann zum eigentlichen Highlight des Tages.

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Unsere Schirme stellten wir vor der Tür ab, bevor wir in ein anderes Zeitalter eintauchten. Die ganze kleine Villa war im viktorianischen Stil gestaltet und die Zimmer verbreiteten ein angenehm altertümlich-romantisches Flair. Wir wurden aufgefordert unsere Hüte für das High Tea auszuwählen und anschließend in den relativ kleinen und gemütlichen Essbereich zu folgen. Ich finde, dass uns der beste Tisch eingedeckt worden ist: In einer kleinen Ecke und nicht mitten im Raum saßen wir direkt am Fenster, von dem aus man in den kleinen Garten unter dem Haus schauen konnte. Eine wunderbar grüne Aussicht.

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Blick in eines der Hotelzimmer

Der Tisch war bereits zu einigen Teilen eingedeckt: in der linken hinteren Ecke befand sich eine Etagere mit kleinen Cupcakes, Zitronen-Pralinen und Yo-Yos (zwei Mürbeteigkekse mit einer Creme dazwischen) oben und kleinen Blätterteigsternen in der unteren Etage.  In der rechten Ecke befand sich ein Teller mit  Rührei und Gurkensandwiches – natürlich ohne Rinde 😉 – und Mini-Brötchen mit Rührei und Sprossen. Dazwischen befanden sich eine Schale mit geschlagener Sahne, eine mit Marmelade, eine Karaffe mit Zitronenwasser, ein Schälchen mit Würfelzucker und ein kleines Kännchen mit Milch für den Tee. Uns wurde die Teeliste überreicht und jede konnte sich die bevorzugte Sorte auswählen.

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Kurz darauf wurden uns Scones frisch aus dem Ofen gebracht, die wir aufschnitten und mit Sahne und Marmelade bestrichen. Ihnen folgte ein Gläschen Champagner für jede von uns, ebenso wie der georderte Tee und kleinen Egg-Pies mit getrockneten Tomaten. Wir aßen und unterhielten uns und aßen noch ein wenig mehr – das ist nicht übertrieben, wir saßen tatsächlich etwa drei Stunden in unserem Eckchen und zelebrierten unseren High Tea. Oh, und wir schossen natürlich auch einige Fotos von uns und unseren Hüten. 😀

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Ausklingen ließen wir den Nachmittag am Pier, wo der Wind unsere Haare zerzauste und wir uns endlich über unsere Pralinen her machten. Ein sehr, sehr leckerer Tag kann ich euch sagen 😉

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  1. Pingback: Very Britsh – Tea Time | ELT RedDot Blog

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