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Monatsupdate #9 und #9 3/4 – Die letzten eindreiviertel Monate in Norwegen

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Monatsupdate #9 und #9 3/4 – Die letzten eindreiviertel Monate in Norwegen

Jetzt ist es ganz offiziell vorbei – ich bin kein Au Pair mehr. Ich sitze mit einem Kaffee und einer Zimtschnecke in einem Café in Røros und versuche, diese Information und die letzten eindreiviertel Monate in der Gastfamilie zu verarbeiten, während ich auf meinen Vater und Susanne warte.

Die Situation in meiner Gastfamilie ist über die letzten Wochen nochmal total aus dem Ruder gelaufen und gerade überwiegt ganz klar die Erleichterung darüber, dass es vorbei ist. Ja, ich werde die Kleine unglaublich vermissen und finde es schade, dass ich sie wohl nie mehr sehen werde, doch in den letzten Wochen habe ich nochmal ganz klar gemerkt, dass ich menschlich unwillkommen und definitiv kein Familienmitglied bin.

Doch erstmal der Reihe nach. Über den 17. Mai, dem norwegischen Nationalfeiertag, waren wir in Trondheim. Über meine Eindrücke schreibe ich noch einen separaten Beitrag, beziehungsweise habe ich ihn schon geschrieben und muss nur noch die passenden Bilder auswählen.

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Das Wetter der restlichen Maitage waren, ebenso wie in die ersten beiden Wochen, unglaublich sonnig und warm und ich war – sooft wie möglich – im Fjord schwimmen. Obwohl das Wasser eisig kalt war, war es eine angenehme Erfrischung und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es unglaublich befreiend sein kann, zwischen den Algen herum zu dümpeln und raus aufs Meer zu schwimmen.

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Der Juni war eigentlich durchgehend kalt und verregnet. Man hatte das Gefühl, dass das Land den eingesparten Regen vom Mai so schnell wie möglich wieder rausholen wollte. Es machte weder Spaß draußen herum zu laufen, weil man entweder umgepustet oder sofort bis auf die Knochen durchnässt war, noch ständig im Wetterbericht von Sonne in Deutschland und noch mehr Regen in Norwegen zu lesen. Mit Baden wurde es also im Juni nicht wirklich was. 😆

Dafür bin ich im Juni den Atlantikhavsveien abgefahren. Dabei handelt es sich um eine ganze Kette von Brücken und Inseln, die jedoch am besten bei starkem Wellengang aussehen. Bei mir war es nur bewölkt und verregnet, aber trotzdem fand ich sowohl die Brücken an sich als auch die Inseln unglaublich schön.

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Über meinen Geburtstag bekam ich Besuch von einer Freundin aus Deutschland. In Trondheim zeigte ich Alexandra zuerst die wichtigsten Sehenswürdigkeiten (Klassiker wie Kirstiansten, Gamlebybru, Innenstadt und den Nidaros) und gingen gemeinsam in die drei Nidarosmuseen, beziehungsweise zwei Museen und den Dom selber. Das hatte ich selber zuvor auch noch nicht gemacht und fand es überraschend spannend, mir das erzbischhöfliche Museum mit der Geschichte zum Dom, die Schatzkammet mit den königlichen Kronjuwelen und selbstverständlich den Nidaros selbst von innen anzuschauen. Am spannensten fand ich, über die unzähligen verschiedenen Skulpturen am und im Dom zu hören und eine ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: das Gesicht einer missglückten Botoxbehandlung 😆

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Im Nidaros kamen wir gerade noch rechtzeitig für die Turmbesichtigung, für die man zwar extra bezahlen musste, aber gleichzeitig auch einen atemberaubenden Blick über die Stadt bekam (was bei strahlendblauem Himmel wirklich mehr als lohnend ist!) 🙂

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Die nächsten zwei Tage kam sie mit auf die Farm. In meinen Geburtstag feierten wir mit tiefschürfenden Gesprächen und Gummibärchen, um Mitternacht packte ich zwei kleine Geschenkpakete aus. Nachmittags fuhren wir in die Stadt und gingen erst Kaffee trinken und anschließend chic essen, dann fuhren wir zurück in die Gastfamilie. An dem Tag passierte nichts spektakuläres und nichts großes, doch für mich war es perfekt. Enttäuschend fand ich bloß, dass meine Gastfamilie meinen Geburtstag so ziemlich vergaß und ich das Geschenk, das sie mir am Abend versprachen nie bekam und spätestens ab diesem Tag ging die Stimmung Zuhause nur noch den Bach runter.

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Am 3. Juni flog Mareike, als erstes der Trøndermädels nach Hause nach Deutschland. Es war recht lustig, weil wir es tatsächlich schafften, uns vier Mal zum letzten Mal zu treffen 😆 Wenige Tage folgten Rafaela und Anja, Ende Juni Kira und Leonie. Als nächste habe ich heute aufgehört, in zwei Tagen hat Juliane (und damit die letzte aus dem Bunde) es geschafft. Für die Mehrheit gesprochen würde ich sagen, dass alle glücklich sind, es geschafft zu haben und wieder zurück in ihren richtigen Familien zu sein.

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Seit dem 22. Juni wohne ich nun nicht mehr auf der Farm, sondern in Trondheim. Mir hat es ziemlich den Boden unter den Füßen weggezogen, als meine Gastfamilie am Vortag verkündete, dass ich alle Sachen zusammen packen müsse und wir über die letzten 2 1/2 Wochen nicht mehr zurück fahren würden. Mir blieb so keine Zeit mich innerlich von irgendwas zu verabschieden und mit dem Leben auf dem Bauernhof abzuschließen. Gleichzeitig wurde mir auch die abgesprochene Übernachtung mit meinem Vater und Susanne auf dem Hof gestrichen, weswegen wir kurzfristig umplanen mussten.

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Die letzten zwei Wochen arbeitete ich also in der Stadt, ohne WLAN und mit einer Gastfamilie, die mich abwechselnd klein redete oder ignorierte. Dementsprechend viel war ich unterwegs und versuchte, dem ganzen Wirrwarr zu entkommen. An einem Tag ging ich zu einem Wikingermarkt, etwas außerhalb vom Zentrum. Es war unglaublich kalt und verregnet, aber gleichzeitig auch super schön 🙂 Es war ein recht kleiner Markt, nur sechs oder sieben Buden verkaufen und an einer Stelle gab es Essen und Trinken, doch man merkte, dass die Leute, die dort verksuften, mit Herzblut bei der Sache dabei waren.

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Der Abschied verlief kurz und schmerzlos. Ein distanziertes „Ha dat bra“, eine kurze Umarmung, dann war es vorbei. Der Kleinen ließ ich noch einen selbst gestrickten Teddy da und von ihr bekam ich viele Abschiedsküsschen mit auf den Weg. Behalten werde ich wohl nur die Erinnerungen an die 9 3/4 Monate und ein paar verwackelte Bilder.

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[Bilder, Reisen] Frühjahrsreise #2 Flåm 30.4.-2.5.

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[Bilder, Reisen] Frühjahrsreise #2 Flåm 30.4.-2.5.

Montagfrüh saßen wir also im Zug Richtung Flåm. Wir fuhren erst rund 4 1/2 Stunden von Oslo nach Myrdal, wo wir etwa 20 Minuten Aufenthalt hatten und stiegen dann mit all den vielen anderen Reisenden in die Flåmbahn um.

Auf dem ersten Stück der Fahrt durchquerten wir das langsam aufgrünende Land, vorbei an dunkelgrünen Wäldern und entlang an dem glitzernden Wasser der Fjorde, bis wir irgendwann auf fast 1000 Meter über dem Meeresspiegel durch eine verträumte Winterlandschaft fuhren. Philipp freute sich über das Weiß, ich begegnete dem ganzen eher unbegeistert. Was nicht bedeuten soll, dass es nicht hübsch aussah, ich konnte mich nur nicht ganz so sehr über den Schnee freuen. 😂

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In Myrdal blieb noch genügend Zeit für einen Kaffee, dann kam auch schon die Bahn. Wir ergatterten einen Fensterplatz, doch irgendwie auf der unspektakuläreren Seite, weshalb ich die letzte Fahrtstunde zwischen Sitz und Tür hin und her pendelte. 😀 An einem Wasserfall stoppte die Bahn kurz und es folgte ein allgemeines Touri-Foto-Getümmel, ansonsten wurde über Lautsprecher und Infotafeln über die langsam vorbei ziehenden Dinge berichtet. Jedoch muss ich insgesamt sagen, dass ich leicht enttäuscht von der Zugfahrt war. Ich hatte mir mehr erhofft, gemessen an den ganzen Fotos, die ich mir vorher angesehen hatte. Die Landschaft war bei uns gerade erst am Wiedererwachen nach dem Winter und dementsprechend wenig blühte. Nichtsdestotrotz war es schon, doch wahrscheinlich ist die Fahrt zu einem späteren oder früheren Zeitpunkt etwas lohnender.

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In Flåm selber liefen wir zunächst zu unserer Unterkunft, dem Campingplatz und Hostel auf der anderen Brückenseite. Wir hatten für die Tage eine Hütte mit kleiner Kochzeile gebucht, mitten im Grünen und direkt am Fuß der Berge. Neben der Anlage befand sich ein kleiner abgezäunter Bereich mit vier flauschigen Zicklein und von unsrem Hüttenfenster aus konnte man auf den Bahnhof und die Berge sehen. Kurzum: es war sehr schön ☺

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Direkt am Montag liefen wir nur noch bei fast schon sommerlichem Wetter ein wenig durch die Innenstadt und entlang des Strandes, schauten durch die Souvenirläden und besuchten das Flåmsbanamuseum, bevor wir Essen kochten und uns schlafen legten.

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Für Dienstag hatten wir mehrere Wanderungen geplant: die erste führte hoch zum Brekkefoss, einem Wasserfall auf etwa 290m über dem Meeresspiegel. Leider konnte ich nirgends finden, wie hoch der eigentliche Wasserfall ist, doch lassz mich versichern: er ist ziemlich hoch 😀 Wir hatten ziemliches Glück: sowohl während unseres Aufstiegs als auch oben beim Wasserfall waren wir alleine, erst als wir uns wieder auf den Abstieg machten, begegneten uns direkt drei Gruppen. Doch nicht nur der Wasserfall an sich ist total beeindruckend, auch der Blick über das Tal ist wunderschön. Wir sind dann noch ein Stück runter geklettert und haben überlegt bis zum Becken unter dem Wasserfall zu laufen, doch schon auf halben Wege merkten wir: da ist es ziemlich sprühregenartig nass und kehrten wieder um.

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Weiter liefen wir zur Kirche im alten Stadtzenrum von Flåm, welches etwa 4km vom heutigen Flåm entfernt liegt und von dort aus entlang am Fluss wieder zurück. Wir zwangen unsere brennenden Beine noch den Hügel im Zentrum zu besteigen, bevor wir bei Kaffee und Kuchen entspannten. In dem Togetcafé konnte wir mal wieder die Unlogik des norwegischen Preis-Leistungsverhältnisses bemerken: zwei große Stücke Schokokuchen für 45 Kronen, eine Waffel für 40. Und außerordentlich gut hat letztere auch nicht geschmeckt 😅

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Abends gingen wir in einem Wikingerrestaurant essen. Für mich gab es einen unglaublich leckeren Kichererbsenburger, Philipp aß einen Wikingerburger. Dazu eine Bierplatte aus der zugehörigen Brauerei und zum Nachtisch Lofotener Mädels, ein Dessert aus Schlagsahne, Apfelkompott, Zimt und Butterkrumen. Sehr lecker! Philipp trank noch ein Bier im Wikingersaal, doch ich musste dankend verzichten, ansonsten wäre ich wohl im Sitzen weg gepennt 😂

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Mittwoch verbrachten wir bis 11 Uhr in der Hütte, bis wir auscheckten, nochmal durch die Souvenirläden schlenderten und anschließend ein wenig an der Küste entlang liefen. Dann holten wir unser Gepäck und stellten uns in die Schlange unseres nächsten Reisemittels: einem Expressboot nach Bergen. Doch das ist eine andere Geschichte.

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[Reisen] Frühlingsreise #1 Oslo 27.-30.4.

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[Reisen] Frühlingsreise #1 Oslo 27.-30.4.

Herrjemine, diese Reise begann für meinen Geschmack viel zu turbulent! Die Fahrt zum Flughafen endete in einer kleinen Odyssee, aus Missgeschicken und Orientierungslosigkeit, an deren Ende ich komplett urlaubsreif war. Vorher hatte ich einen kurzfristigen und anstrengenden Vormittag mit meiner Kleinen und noch etwas früher ein Gespräch mit meiner Gastmutter. Perfekter erster Reisetag also. 😆 Doch als ich endlich am Flughafen saß, auf das Boarding wartete und die anderen Fluggäste beobachtete, fühlte ich mich wieder etwas entspannter.

Am Osloer Flughafen bekam ich erstaunlich schnell mein Gepäck und nachdem ich mit Zug in die Stadt gefahren bin, hieß es für mich erstmal: Orientierung finden. Und das ist etwas, das mir echt schwer fällt 😀 Doch irgendwie fand ich den Weg aus dem Bahnhof zum Schlüsselfach und danach zum Airbnb. Da Philipp etwas später als ich landete, begab ich mich zuerst auf den Weg zum Supermarkt (obwohl ich eigentlich echt keine Lust mehr auf irgendwas an dem Abend hatte) und besorgte etwas Essbares für den ersten Tag – nachdem es in meiner Gastfamilie mal wieder wochenlang kein Obst gegeben hat, kann man sich vielleicht denken, wie sehr ich in der Obstabteilung zugeschlagen habe 😆 Später holte ich noch mein Brüderchen vom Bahnhof ab und den restlichen Abend geschah das große und aufregende Nichts: wir haben etwas gequatscht und sind zeitig ins Bett.

Samstag stand eine Stadttour an. Begonnen haben wir am Opernhaus, dessen Dach wir selbstverständlich hoch und runter gegangen sind. Die Architektur des Gebäudes hat uns beiden gut gefallen und es ist ziemlich cool, auf dem mehrstufigen Dach spazieren zu gehen. Im Anschluss liefen wir entlang der Hafenkante zur Festung Akershus. Wir betraten das Gelände auf der Südost-Seite, wo wir zunächst durch eine kleine Grünfläche auf das Kriegsgeschichtliche Museum zuliefen. Weiter in Richtung der eigentlichen Festung stießen wir auf eine Art Fest der militärischen Paraden. Wir durchquerten die Versammlung und liefen über die kleine Brücke, hin zu den eigentlichen Festungsgebäuden. Im Prinzip sind wir einfach einmal über entlang der Mauern um die ganze Anlage gelaufen, haben in den kleinen Shop geschaut, haben mit Blick auf den Hafen eine Kleinigkeit gegessen und sind, nach Beenden der Runde, vom Gelände in Richtung Innenstadt gezogen.

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Ich wusste zwar, dass ich keine großen Menschenmassen mehr gewöhnt bin, aber die Mengen, die sich durch die Straßen schoben, waren schon gewaltig. Doch im und um den Osloer Dom war es überraschend ruhig, die Sonne brach an komplett durch die Wolken durch und es war schon erstaunlich, ein so ruhiges Fleckchen Welt in einer geschäftigen Stadt wie Oslo zu finden.

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Zurück im Gedränge folgten wir dem Strom Richtung Schloss hinauf und machten nur kurz Halt in einem Freia Laden, um uns mit Schokolade auszustatten. Der Platz vor dem Schloss wurde gerade abgesperrt, weswegen wir recht schnell in den umliegenden Park auswichen, was aber auch kein allzu großes Problem für uns darstellte. Ich fand es nur witzig zurück zu schauen und auf die menschenüberfüllte Straße zu blicken, auf der wir uns nur wenige Momente zuvor selber befunden hatten.

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Wir nahmen die Tram zum Frognerpark, in den der Vigelandspark befindet. Das hauptsächliche Highlight dieser beiden Parks sind die unzähligen großen und kleinen Skulpturen nackter Menschen, die von einem Künstler namens Vigeland erschaffen wurden und nun entlang der Wege ausgestellt sind. Im Vigelandpark besuchten wir noch das Museum zur Osloer Entstehungsgeschichte, tranken Kaffee und genossen ein wenig die Sonne.

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Weiter ging es mit der Tram zum botanischen Garten, in dem wir uns zwar ein wenig umsehen, jedoch nur wirklich kurz, da wir beide inzwischen ziemlich K.O. von den gelaufenen Kilometern waren und noch nicht wirklich viel blühte. Dementsprechend wenig geschah auch an diesem Abend und wir gingen wieder recht früh ins Bett.

Sonntag standen wir zunächst um 10 Uhr wartend vor dem Ticketcenter, weil sich unsere Fahrkarten nicht am Schalter ausdrucken ließen. Danach ging es zur Touristeninfo, wo wir uns unseren Freifahrtschein für den Tag holten: die Oslokarte. Kostenloser Eintritt in sämtliche Museen, hier und da Rabatte, kostenloser Nahverkehr. Wir liefen also wieder zum Hafen (von dem Philipp versicherte, er wäre gaaaanz nah – meine Füße jubelierten auf dem Asphalt 😆 ) und nahmen das erste Boot, um nach Bygdøya über zu setzen.

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Auf der Halbinsel folgten wir dem allgemeinen Pulk den Hügel hinauf. Einige bogen ab, doch ebenso wie scheinbar die meisten steuerten auch wir auf das Norwegische Folksmuseum zu. Bei dem Museum werden Häuser und Höfe der norwegischen Geschichte in einer riesigen Anlage ansgestellt, ebenso wie ein Kirchennachbau und eine Osloer Altstadt mit Wohnzimmern aus dem 18.-20. Jahrhundert. Etwas enttäuschend fanden wir, dass man die meisten Häuser nicht betreten konnte. Wenn man durch Fenster und Lugen linste, konnte man zwar Möbel erahnen, doch das Wahre war das irgendwie auch nicht. In einem Häuschen wurden frische Lefse gemacht, eine Art süßes Fladenbot, das mit Butter bestreichen serviert wird. Davon haben wir uns eine geteilt und Himmel – sie war verdammt lecker. Wer also in das Museum geht und überlegt, ob es sich lohnt das Geld auszugeben: macht es 😀

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In der „Gamleby“, also der Altstadt konnte man die meisten Häuser betreten und in die Wohnzimmer von vor 50, 70, 100… Jahren schauen. Das war ziemlich cool, wenn auch sich meine Beine nicht wirklich über die Treppenstufen freuten 😆 In einem kleinen Laden konnte man Süßigkeiten kaufen, doch da entschieden wir uns gegen. Lieber tranken wir einen Kaffee mit Waffel und Eis nach unserem nächsten Museumsstopp: dem Wikingerschiffsmuseum.

Hier wurden insgesamt drei Schiffe, oder besser gesagt ihre Überreste, ausgestellt. Insbesondere Philipp war überrascht davon überrascht, wie groß die Schiffe gewesen sind und es war beeindruckend die ganzen alten Schmuckstücke, Schnitzereien, Stoffreste und teils auch Skelette sehen zu können. Hinter einem Schiff wurde in Abständen ein Video per Beamer an die Wände geworfen und plötzlich befand man sich nicht mehr in einem Museum auf dem norwegischen Festland, sondern stach mit seiner Mannschaft auf See.

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Nachdem wir also eine kleine Kaffeepause eingelegt hatten, entschieden wir nicht mit dem Boot, sondern mit dem Bus zum Hafen zu fahren und dort mit dem Schiff nach Hovedøya über zu setzen. Hovedøya ist eine kleine Insel ziemlich direkt vor der Stadt mit einer alten Klosterruine, Stränden und viel Grün. Es machte ziemlichen Spaß, auf den Mauern herum zu klettern, was natürlich die meisten trotz Verbotsschild taten. Doch dieses war ja auch auf norwegisch 😉 Die Sonne schien warm vom Himmel herab und ein paar Möwen zogen lachend ihre Kreise. Das Meer erstrahlte tiefblau und eine erfrischende Brise wehte. Gefühlt hätte fast Sommer sein können.

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Zurück in der Stadt flanierten wir noch ein Stück an der Hafenkante entlang, dann gingen wir chic Essen. Fein und lecker, aber danach noch nicht ganz satt. 😅 Wir nahmen dann den Bus Richtung Grünerloka, dem „Hipster“ Stadtteil und liefen durch diesen zurück zu unserer Unterkunft.

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Montag standen wir schon zeitig auf, packten unsere Sachen zusammen und begaben uns auf den Weg zum Bahnhof. Wenig später und mit heißem Kaffee und Gebäck ausgestattet saßen wir im Zug auf dem Weg nach Flåm. Doch das ist eine andere Geschichte.

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[Gedanken] Ein kleiner Ausflug in mein Zuhause

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[Gedanken] Ein kleiner Ausflug in mein Zuhause

Du reihst dich mit dem Auto in eine kleine Warteschlange ein. Links unter dir glitzert das dunkelblaue Meer, ein erfrischender Wind weht und ein paar Möwen ziehen lachend ihre Kreise. Die Anzeigentafel gibt an, dass die nächste Fähre in 12 Minuten geht. Hier und dort stehen ein paar Menschen neben ihren Autos und drehen ihr Gesicht der Sonne entgegen, du kurbelst das Fenster herunter, schließt die Augen und genießt das warme Gefühl auf der Haut.

Die Fähre legt an und ein paar Autos fahren dir entgegen. Langsam kommt auch deine Reihe ins Rollen und ein Mann winkt dich zu der Mittelbahn. Du schaltest den Motor ab, zahlst für den Transfer und wartest.

Auf der anderen Seite fährt eine geschlossene Karawane durch den Ort: die Hauptstraße führt nur in eine Richtung. Sie führt auf eine kleine Anhöhung, jetzt glänzt das Meer auf deiner rechten Seite, dunkelblau und voll wie zuvor. Dein Blick gleitet etwas weiter in die Ferne, hier reihen sich mehrere Berge neben und hintereinander. Ein sanftes Lächeln liegt auf deinem Gesicht und ein warmes Gefühl durchströmt deinen Körper, ihre Form würdest du inzwischen überall heraus ernennen.

An der Kreuzung fährt etwa eine Hälfte der Fahrer weiter gerade aus, doch du folgst mit der anderen Hälfte der rechten Straße. Links von dir türmt sich hoher Fels auf, der teils von gefrorenen Wasserläufen bedeckt wird und rechts stehen vereinzelt Bäume, darunter liegt das Meer. Die Straße ist von Schlaglöchern und Unterspülungen gezeichnet und du bist froh, in einem recht hoch gelegten Minivan zu sitzen. Obwohl du nicht allzu schnell fährst, federst und wippst du stark in deinem Sitz.

Eine schier nie endende Aneinanderreihung scharfer und schwacher Kurven begleitet dich auf der Fahrt. Hier und dort stehen auf beiden Seiten vereinzelte Häuser und Höfe. Ein Fischer sitzt auf den Steinen und versucht sein Glück, während auf dem Meer bereits das erste kleine Boot schippert.

Eine Kurve noch, dann öffnet sich die Sicht: Du siehst ein paar Wiesen und Felder, auf der rechten Seite schaust du auf mehrere Gebäude herab. Ein sanftes Kribbeln durchläuft deinen Körper, du bist fast Zuhause angekommen. Die Straße führt links herum, du drückst den Blinker herunter und lässt dich ein wenig ausrollen. Hinter dem Briefkastenhäuschen drehst du das Lenkrad nach rechts. Jetzt siehst du links das Meer und die Berge im Hintergrund. An ihrem Fuß liegt eine winzige Ortschaft.

Aus den Bäumen fliegen ein paar Spatzen und Krähen empor, als das Auto den Weg herunter tuckelt. Du kommst an einem kleinen Wohnhaus vorbei, dahinter folgt das rote Stallgebäude. Ihm gegenüber, auf deiner rechten Seite steht ein kleines Gewächshaus und ein paar Beete, in denen die inzwischen bräunlichen Gerippe der Pflanzen aus dem Vorjahr stehen, dahinter folgt ein Geräteschuppen, vor dem ein roter Traktor steht. Er hat noch die Schneeketten an seinen Reifen.

Vier weiße und ein schwarzes Huhn scharen im Kies und flattern aufgeregt davon, als der Wagen auf die Wiese fährt. Vor einer wettergezeichnteten Holzbank kommt er zum stehen. Du fühlst noch kurz dem schwachen Vibrieren nach, das von dem knatternden Motor ausgeht, bevor du den Schlüssel umdrehst. Du machst dir nicht die Mühe ihn abzuziehen und auf das Amaturenbrett zu legen, sonst würde er wieder vom nächsten Fahrer gesucht werden.

Mit einem schwungvollen Hops springst du aus dem Auto und dehnst kurz deinen Rücken durch. Die Hühner kommen inzwischen zurück auf die Wiese und beginnen erneut zu scharen.

Dein Blick gleitet zum Wohnhaus. Die weiße Farbe weist an vielen Stellen einen gräulichen Schimmer auf oder bröckelt vom Holz. Unter der Dachrinne liegen mehrere Vogelnester, um die ein eifriges Treiben herrscht. Du beobachtest kurz das Spektalel, dann richtest du deine Aufmerksamkeit ein kleines Stück weiter in die Ferne. Nun siehst du das gelbe Nachbarhaus, dahinter liegt das Meer.

Du drehst du deinen Kopf noch etwas weiter nach links, wo das kleine alte Lebensmittelhäuschen auf seinen Pfählen liegt. Es wird nicht mehr genutzt und zwei der kleinen Fensterscheiben sind zerbrochen. Dahinter liegt der Stall des Nachbarn, vor dem gerade ein Milchlaster befüllt wird.

Du gehst zum Wohnhaus und drückst die Tür auf, die sich knarrend öffnet. Bereits im Flur steigt dir ein markanter Duft aus der Küche in die Nase. Du streifst die Schühe ab und versuchst leise die Küchentür zu öffnen. Doch sie gibt das gewohnt laute Knallen von sich, sobald der Falle aus der Halterung gleitet, gefolgt von dem Quietschen der Angeln, sobald sie aufschwingt.

Du betrittst die große Essküche. Auf dem Herd steht ein riesiger dampfender Topf, der wohl der Grund für den starken Geruch beinhaltet. Du hebst den Deckel an und blickst auf ein paar Schafsknochen, die in ihrer eigenen Brühe vor sich hin köcheln. Die Sonne scheint durch die Fenster gegenüber von der Tür und fällt auf die vielen jungen Pflänzchen, die erst bei milderen Temperaturen in den Garten dürfen. Das Holz der Küchenschränke hat im Licht fast schon einen goldenen Schimmer.

Es herrscht ein wohnliches Chaos aus Handschuhen, Spielsachen und Topflappen, das feinsäuberlich von der Jüngsten kreiert worden ist. Aus dem großen Wohnzimmer ertönt der Fernsehr, im Kleinen telefoniert deine Gastmutter. Du gehst auf das Waschbecken zu, hinter dem sich die grüne Fliesentapete im Stil der 80er bereits stellenweise von der Wand löst und greifst nach dem Resteeimer. Mit einem Handzeichen gibst du deiner Gastmutter zu verstehen, den Eimer zu den Hühnern zu bringen.

Du verlässt das Haus erst durch eine quietschende, dann durch eine knarrende Tür und läufst den Weg hinauf zum Stall. Die Hühner folgen dir aufgeregt, sobald sie den Eimer in deiner Hand erkannt haben. Vor der Stalltür stellst du ihn ab und drehst dann den schweren Eisenschlüssel im Schloss, um die Tür zu öffnen. Staubkörner tanzen im einfallenden Licht der Sonne und ein heimeliger Duft nach Heu steigt in deine Nase.

Du schließt die Holztür hinter dir, der Riegel schnappt mit einem lauten Klacken zu. Du gehst die paar Schritte zur gegenüberliegenden Tür. Wenn du sie öffnen würdest, würdest du den Geruch frischer Farbe wahrnehmen und auf einige Farbtöpfe stoßen. Rechts von dir ertönt ein hungriges Muhen, links hörst du Hufgetrappel und viele piepsende Stimmchen.

Du beschließt, zuerst den Kälbern einen kurzen Besuch abzustatten. 5 schwarze und ein brauner felliger Kopf schauen kurz zwischen den Holzlatten hindurch, bevor sich ihre Besitzer umdrehen. Du beobachtest kurz, wie die Kälber sich misstrauisch an die gegenüberliegende Wand drängen, bevor sie langsam zurück in Richtung Gang kommen. Ein oder zwei Tiere muhen dir neugierig zu.

Nach einer Weile drehst du dich um und folgst dem Gang zum gegenüberliegenden Ende. Unterwegs füllst du einen kleinen Eimer mit Hühnerfuttergranulat. Das aufgeregte Piepsen wird beim Rascheln des Futtersackes lauter. Du entriegelst die Gittertür und betrittst den Küken- und Junghühnerstall. Noch bevor du die Tür geschlossen hast, sitzen die ersten Tiere im Eimer. Du befüllst alle Futterspender und Schälchen und schaust ein wenig dem wuseligen Kampf ums Futter zu. Sobald alles satt ist, nimmst du ein Küken in die Hand und fährst mit vorsichtigen Bewegungen über die weichen, gelben Federn, während der kleine Schnabel an der Handfläche knabbert.

Von der Tür neben dem Hühnergehege ertönt ein kräftiges Hämmern. Du setzt den kleinen Piepmatz in die Kükenkiste und trittst wieder in den Gang. Hinter der Holztüre zu deiner Rechten ertönt ein Mähen. Du schiebst den Riegel hoch und öffnest die Tür einen Spalt weit. Ein paar Ziegenköpfe drehen sich zu dir und ihre Nüstern versuchen heraus zu finden, ob du ihnen etwas essbares bringst. Sobald du zwischen den beiden Zäunen stehst, beginnen hungrige Nasen an dein Hosenbein zu stupsen und hungrige Mäuler an deinen Schnürsenkeln zu knabbern. Du gehst in die Hocke und streichst über weiche Nasen, darauf bedacht nicht gebissen zu werden. Irgendwann richtest du dich langsam auf, gehst zurück in den Gang, vorbei an dem leiser gewordenen Piepsen der Küken, rechts hin zur Tür.

Du schaust nochmal kurz in das andere Hühnergehege, sammelst drei Eier ein. Sie liegen groß und zerbrechlich in deiner Hand. Auf einem hat die schwarze Henne gesessen, es fühlt sich noch ganz warm an. Kurz überlegst du, die Eier direkt ins Haus zu bringen, doch dann legst du sie in die kleine Schale draußen im Gang.

Als du die Stalltür öffnest, scheint dir die warme Sonne direkt ins Gesicht. Du lauscht kurz – der Bach rauscht, ein paar Vögel zwitschern, auf der Straße fährt ein Laster vorbei. Du folgst dem Geräusch die Ausfahrt hinauf und überquerst die Straße. Nun gelangst du auf einen kleinen Pfad, der vom Regen ganz aufgeweicht und von den Traktorrädern komplett zerwühlt ist.

Du folgst dem Pfad den Hügel hinauf und auf den Waldrand zu. Dabei achtest du darauf, möglichst wenig in Schlammlöcher zu treten. Der Boden unter deinen Füßen macht schmatzende Geräusche. Hier oben weht ein etwas stärkerer Wind. Er bläst über dein Gesicht und bringt deine Haare sanft zum tanzen.

An einer schmalen Stelle springst du über den Bachlauf und stehst im Wald. Hinter dir liegt die Wiese, darunter dein Zuhaus und das tiefblaue Meer. Der Wind rauscht in den Bäumen, irgendwo klopft ein Specht. Du hockst dich über den Boden, beobachtest Käfer, die über Baumstämme und Moos krabbeln, entdeckst ein feines Spinnennetz, das sanft im Takt der Bäume mitwippt. Die ganze Welt da draußen scheint still zu stehen. Du schließt die Augen und atmest tief die klare Luft ein.


Die Idee für diesen Post habe ich bei Icelandexploration gefunden, einem Blog über das AuPair Leben auf einer Farm in Island, auf dem ich sehr gerne mitlese. Vorbeischauen lohnt sich definitiv mal 🙂

[Bilder, Reisen] Osterurlaub #4 Trondheim 31.3.-2.4.

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[Bilder, Reisen] Osterurlaub #4 Trondheim 31.3.-2.4.

Wir verließen also am Samstag nach dem Frühstück das Boot und machten uns auf den Weg zum Airbnb. Aufgrund unseres Sparkurses und weil es eh keine allzu gute Verbindung gab, entschieden wir zu laufen. Anders als in Tromsø schneite es in Trondheim zum Glück nicht und die Wege waren schon recht weit abgetaut. Das machte es deutlich leichter! Dafür war aber auch die Strecke um einiges länger. 😆

Doch es war ein schöner Weg. Wir liefen fast die ganze Zeit am Hafen entlang und ganz kurz an der Innenstadt vorbei. So leer hab ich die Straßen noch nie gesehen! Kaum ein anderer Mensch, kein Auto weit und breit, alles war wie ausgestorben. Total gespenstisch! Es hat nur noch die Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“ und ein vorbeifliegendes Büschel vertrockneten Grases (oder von mir aus auch Algen) gefehlt.

Nachdem wir unsere letzte Unterkunft bezogen und alles ein wenig inspiriert hatten, begaben wir uns wieder auf den Weg in die Innenstadt. Samstag hatten zum Glück alle Supermärkte und einige andere größere Läden bis zum späten Nachmittag geöffnet, sodass wir Lebensmittel einkaufen und ein bisschen durch die Läden schlundern konnten. Inzwischen waren auch mehr Menschen unterwegs, jedoch noch immer deutlich weniger als gewöhnlich. Glücklicherweise hatten meine Lieblingsläden offen, sodass ich Katha und Patrick zumindest dise zeigen konnte. Doch bereits um vier machten die ersten zu, um fünf die nächsten und um sechs fand ein großes Menschenraustreiben statt. Das war dann auch unser Zeichen zum Aufbruch und wir liefen zurück zu unserer Unterkunft.

Am Sonntag schliefen wir erstmal aus und nach einem langgezogenen Brunch zeigte ich den beiden ein wenig die Stadt. Das ich mich recht gut auskenne hatte den Vorteil, dass wir nicht ewig durch die Gegend irren mussten und (wenn aufgrund der Glättesituation nötig) recht leicht ausweichen konnten. Wir liefen also zunächst ein wenig am Nidelva entlang, beobachteten dort ein paar Enten und kamen schließlich von hinten auf den Stadtteil Bakklandet zu. Wir bogen jedoch vor den schnuckeligen Häuschen ab und liefen den Berg bis zur Festung Kristiansten empor. Hier genossen wir neben der Sonne und der Aussicht auch noch ein Kvikk-Lusj, bevor wir uns wieder auf den Weg in die Innenstadt machten. Nun ging es tatsächlich nach Bakklandet und ich war ehrlich gesagt total überrascht, dass sogar ein paar Cafés geöffnet hatten (immerhin war noch Ostern und normalerweise hat in der Zeit alles zu). Von der Gamle Bybru machten wir natürlich die typischen Touribilder, bevor wir zum krönenden Anschluss zum Nidaros Dom gingen.

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Inzwischen war es auch ziemlich kalt und ich freute mich ehrlich gesagt den ganzen Rückweg wie eine Königin auf ein warmes Essen (welches natürlich zunächst erst gekocht werden musste) 😆 Abends wurde nur noch ein wenig gequatscht, doch es ging schon recht zeitig ins Bett, da Katha und Patrick bereits um kurz nach sieben zum Bus mussten.

Ich stand zwar am Montagmorgen mit den beiden auf, legte mich jedoch direkt für zwei weitere Stunden Schlaf ins Bett, sobald die Haustür zugefallen war. Die Nächte zuvor sind definitiv allesamt zu kurz gewesen!

Und dann war der Urlaub auch schon fast wieder zu Ende. Mit zugegebenermaßen ziemlich gemischten Gefühlen saß ich im Bus zurück nach Hause. Einerseits war ich ziemlich traurig darüber, dass Katha und Patrick bereits im Flugzeug nach Kopenhagen saßen und dieser so perfekt unperfekte Urlaub bereits vorbei war und ich wusste, dass ich ihre Gesellschaft ziemlich vermissen würde. Andererseits freute ich mich auch schon wieder auf die Einsamkeit auf der Farm (zumindest ein bisschen), wenn ich auch wusste, dass die Umstellung nach elf Tagen mit Freunden und Menschen um mich herum wohl ziemlich schwer sein würde. Trotzdem – ich freute mich auf die Ruhe, den Blick aus meinem Fenster, ja sogar auf meine Gastfamilie und die Arbeit. Und ich war wieder zuversichtlicher darauf, dass dieses Jahr die richtige Entscheidung gewesen ist und im großen und ganzen eine sehr positive Erfahrung sein wird. Der Abstand zu meiner Gastfamilie hat mir gut getan: das Rauskommen, auf andere Gedanken kommen, wieder ganz uneingeschränkt ich sein können, ohne mir Gedanken zu machen, wie es auf sie wirken könnte. Ja, es ist an der Zeit zurück zu kehren.

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(Dieser letzte Abschnitt ist tatsächlich größtenteils auf der Busfahrt entstanden, während mir die Sonne ins Gesicht schien und ich die letzten Tage, Wochen, Monate Revue passieren ließ)

[Bilder, Reisen] Osterurlaub #3 – Auf der Hurtigrute von Tromsø nach Trondheim 29.-31.3.

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[Bilder, Reisen] Osterurlaub #3 – Auf der Hurtigrute von Tromsø nach Trondheim 29.-31.3.

In der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag, nachdem wir einige Stunden in dem Pub verbracht haben, ging es also im tiefsten Schneegestöber auf das Postschiff. Es sind erstaunlich viele Menschen zugestiegen, weshalb es etwas dauerte, bis alle eingecheckt hatten. Unser Zimmer lag auf dem untersten Deck, zwar ohne Fenster und ohne eigenes Bad, doch für uns perfekt ausreichend. Wir gingen auch schon ziemlich schnell schlafen, denn inzwischen war es bereits fast zwei Uhr in der Frühe und am nächsten Morgen stand bereits recht zeitig ein Ausflug an.

Das Frühstücksbuffet war erstklassig: gutes Brot, Brötchen, Granola, Nüsse, hart und weich gekochte Eier, English Breakfast aus Spiegelei, Speck, Bohnen und Porridge, Obst, Gemüse, Marmeladen und so weiter. Es gab sogar Käse aus meiner Heimatregion, was mich total freute. Leider konnten wir unser Frühstück am ersten Morgen nicht allzu lange ausdehnen, denn schon bald legten wir in Harstad an und bewegten uns mit den anderen Reisenden in Richtung des bereits wartenden Busses.

Wir wurden von einem überaus freundlichen Reiseleiter begrüßt, der wie ein Grashüpfer zwischen deutsch und englisch hin und her wechselte. Hier und da baute er ein Wort der anderen Sprache ein oder direkt ein norwegisches. Es hat jedoch ziemlich viel Spaß bereitet diesem Sprachjonglieren zuzuhören und zumindest ich habe großen Respekt vor dieser Fähigkeit.

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Leider schneite es noch immer ziemlich stark, sodass die kleine Steinkirche Harstads bei unserem erstern Stopp beinahe im Schnee versank. Dennoch versprühte sie einen fesselnden Charme. Wir erfuhren einiges über die Geschichte, hatten ausreichend Zeit zum umsehen und Bilder machen und liefen anschließend die paar hundert Meter zum anliegenden Museum.

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Auf der weiteren Fahrt begann der Himmel langsam, aber stetig, mehr und mehr aufzubrechen, zwischendurch fuhr der Bus nochmal in eine dicke Schneewehe, doch schlussendlich sahen wir wieder blau und auch die Umgebung versank nicht mehr in einem schier undurchdringlichen Weiß. Der Bus fuhr auf eine Fähre, auf welcher es für jeden Gast Kaffe und eine Waffel mit brunost (norwegischer Karamellkäse) und eine leftse (in dem Fall ein sehr dünner Pallatschinken mit Butter, Zucker und Zimt) gab. Ich war selig. Und als sich der Himmel schließlich komplett aufklarte, konnte es aus meiner Sicht nicht mehr besser werden.

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An dieser Stelle möchte ich kurz von einer Dame erzählen, die mich sehr beeindruckt hat. Sie ist 83 Jahre alt und gebürtige Schwedin, ist jedoch irgendwann im Laufe ihres Lebens nach Amerika ausgewandert. Diese Dame hatte eine überaus angenehme und jugendliche Ausstrahlung und ist jedem scheinbar komplett ohne Vorbehalte begegnet. Es war sehr angenehm, sich mit ihr zu unterhalten, doch am meisten überrascht hat sie mich mit ihren Sprachkenntnissen: Dass sie schwedisch und englisch spricht, ist irgendwie selbstverständlich, norwegisch ist aufgrund der Sprachähnlichkeiten zum Schwedischen auch noch recht naheliegend. Doch wirklich beeindruckt hat sie mich, als sie mir auf deutsch antworte und einem anderen Reisenden auf französisch.

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Zurück auf dem Schiff steuerten wir an diesem Tag direkt zum Lunch und ich muss gestehen: ich hab mich total überfuttert 😆 Die Auswahl war aber auch zu verlockend und die Desserts… – kein Wunder, dass ich vor meiner Reise so viel positives vom Essen auf dem Schiff gehört habe!

Den Großteil des restlichen Nachmittags verbrachten wir in der Lounge, sprangen ab und zu auf, um ein paar Fotos zu machen, wenn die Landschaft gerade dazu einlud, quatschten, tranken Kaffee und Tee (beides im Preis inbegriffen) und ließen es uns einfach gut gehen.

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Zwischendurch legten wir in Stokmarknes an. Katha und Patrick wollten lieber an Bord bleiben und sich ein wenig ausruhen, also ging ich alleine auf Entdeckungstour. Jedoch hatten wir nur eine halbe Stunde Aufenthaltszeit, weshalb keine allzu große Tour möglich war. Doch um zur Brücke und zurück zu laufen hat es allemal gereicht und ehrlich gesagt tat es richtig gut ein bisschen die Beine zu vertreten.

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An diesem Abend wurden wir bereits in die erste Abendessensitzung gelegt, weil Katha und ich noch einen Ausflug für den Abend gebucht hatten. Jedoch gab es abends kein Buffet, sondern ein vier Gänge Menü. Da meckert man natürlich auch nicht! Insbesondere nicht, wenn es so gut geschmeckt hat. Zur ersten Vorspeise gab es einen Tomatensalt, für mich mit Avocado, für die anderen beiden mit Shrimps. Die zweite Vorspeise war bei mir eine Suppe, die ich geschmacklich null einordnen konnte und die mir leider nicht so gut bekommen ist, die anderen beiden bekamen eine Lachssuppe, die ihnen wohl mundete. Der Hauptgang bestand aus jungen Kartoffeln, für mich mit überbackenem Blumenkohl, für die anderen beiden mit irgendetwas fleischigem. Unf zum Dessert gab es eine Panna Cotta mit herrlich krachsaueren Kirschen. Patrick waren sie einen kleinen Tacken zu sauer, doch ich fand es total genial.

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Und dann hieß es auch schon für Katha und mich umziehen und von Bord gehen. Patrick stattete ich mit etwas Geld aus, welches er benutzte, um in ein Eisskulpturenmuseum zu gehen. Er war total begeistert davon und meinte, dass eine richtig coole Atmosphäre zwischen den ganzen Kunstwerken herrschte und viele sehr beeindrucktend ausgearbeitet waren.

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Katha und ich bestiegen mit vier anderen Frauen und einem Mann einen Minibus und fuhren zunächst eine gute dreiviertel Stunde zu einem Gehöft. Dort wurden uns Pferde zugeteilt und wir sollten aufsteigen. Ich für meinen Teil muss leider sagen, dass ich total enttäuscht von diesem Ausflug war. Neben mir hatte nur eine andere Frau Reiterfahrung und man merkte, dass die Pferde ziemlich abgestumpft waren und eigentlich gar keinen Bock hatten. Obwoh die Tour „Lofoten zu Pferd“ hieß, haben wir nicht allzu viel gesehen. Uns wurde eine Ferienhaussiedlung gezeigt und angepriesen, es ging kurz am Strand entlang und über ein paar Felsen. Alles in einer Reihe und mit lustlos trottenden Pferden. Da ich angegeben hab, leichte Reiterfahrung zu haben, dachte man anscheinend, ich würde gerne auf einem zickigen Pferd sitzen (ich mag es gar nicht reiten nennen). Doch, so enttäuschend der Ausflug an sich für mich war, muss ich zugeben, dass die Landschaft trotzdem wunderschön war und es zeitlich perfekt war, da wir genau in den Sonnenuntergang ritten.

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Im Anschluss an diesen Ausflug wurde es auch auf dem Schiff lustiger: die anderen Reisenden vom Pferderitt sprachen uns ständig an und wir wurden viel mehr in die „Reisecommunity“ aufgenommen. Also hatte alles mindestens einen wirklich großen Vorteil 😁

Am Freitagmorgen war der Himmel zunächst noch enttäuschend wolkenverhangen, doch bereits nach dem Frühstück klarte es sich merklich auf. Wir passierten ein kleines altes Fischerdorf, das sein öffentliches Bad gut einsehbar auf einen Felsen vorverlegt hatte. Und kurze Zeit später, so etwa gegen halb 10, passierten wir den 66sten Nordgrad und damit den Polarkreis. Um diesen Anlass zu feiern, gab es eine Stunde später eine kleine Zeremonie. Auf der Fahrt nordwärts wurde den zu weihenden Menschen Eiswasser in den Nacken gekippt, auf der Rückfahrt durften Mutige einen Löffel Lebertran einnehmen (und den Fischlöffel anschließend als Souvenir behalten). Ich war erst total enttäuscht, weil Lebertran aufgrund seiner fischigen Herkunft für mich raus fällt, doch als ich meine Situation in einem ruhigen Moment bei einem Crew-Mitglied ansprach und vorschlug Meerwasser stattdessen einzunehmen, bekam ich auch so einen Löffel. Ohne Meerwasser 🙂

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Für alle Reisenden war der ganze Tag ein Schiffstag. Es gab nur drei Aufenthalte, bei denen es sich lohnte von Bord zu gehen und von diesen drei Möglichkeiten konnten wir nur zwei nutzen, da die dritte in unsere Abendessenszeit fiel. Die anderen beiden nutzen wir natürlich so lange wie möglich um uns die Beine zu vertreten und die Ortschaften zu erkunden.

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Die erste Ortschaft war das Fischerstädtchen Sandnessjøen. Obwohl wir bereits früher als geplant anlegten, blieb nur eine knappe Dreiviertelstunde zum Erkunden. Und diese nutzten wir, um Bilder mit und von dem unbeschreibbar ruhigen und klaren Wasser zu machen. Besonders Katha und Patrick waren davon fasziniert, dass man bis zum Grund sehen und Fische, Seesterne, Krabben und Seeigel beobachten konnte. Diesbezüglich bin ich wohl inzwischen etwas verwöhnt, aber das bedeutet nicht, dass ich nicht auch komplett verzaubert von dem türkisfarbenen Nass gewesen bin. Nein, es war zu schön, um auch nur einen Bruchteil davon in Worte oder Bilder fassen zu können.

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Die zweite Möglichkeit das Festland zu betreten bekamen wir in Brønnøysund, wo wir sogar etwas mehr als eine Stunde Zeit zum umsehen hatten. Und diese Zeit nutzten wir auch voll aus: zuerst ging es zu der kleinen Kirche, von dort aus liefen wir langsam entlang am Pier zurück zum Schiff. Es war keine sehr große Runde, doch ähnlich wie in Sandnessjøen bestach auch hier das Wasser durch seine Klarheit und Farben. In dem kleinen Fjordseitenarm wurden wir Zeugen des bunten Treibens von verschiedenen Wasservögeln, die in großen und kleinen Kreisen über das Wasser flogen, landeten und neue Runden zogen. Auch dieses Städtchen hatte durch seine idyllische Verspieltheit und die Umgebung einen schier magischen Schleier über sich liegen.

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Abends gab erst einen Bildbuchsonnenuntergang (den Katha und Patrick verschliefen) und fast direkt im Anschluss ein „special Dinner“. Obwohl die klassische Hurtigrutenstrecke von Bergen nach Kirkenes nach Bergen führt, ist es auch populär von Bergen nach Kirkenes nach Trondheim zu fahren, also einfach den letzten Tag ausfallen zu lassen. Und so fielen Abschiedsmenü und Osteressen zusammen und statt dem standardmäßigen 4 Gänge Menü wurden 5 Gänge aufgetischt. Da kam es zumindest mir sehr gelegen, dass wir in der zweiten Abendessensrunde plaziert waren, denn ehrlich gesagt hab ich mich schon beim Lunch total überfuttert (wie zu eigentlich jeder Mahlzeit an Bord 😂).

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Die erste Vorspeise bestand aus einem Kartoffelsalat mit Fisch, für mich wurde er mit etwas mehr Gemüse zu Tisch gebracht. Zweite Vorspeise war eine gelbe Erbsensuppe, als Hauptgang gab es Kabeljau mit Rote-Bete-Weizen für die Mehrheit und sehr viel Ofengemüse für die Vegetarier. Etwas seltsam waren dabei die heißen Weintrauben 😀 Zum Zwischengang wurde Käse gereicht und das absolute Highlight – eine Baiser-Bidquit-Eistorte – wurde vor unseren Augen flambiert.

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Noch bevor das Essen gänzlich beendet war, ertönte eine Durchsage, dass auf der linken Rückseite des Schiffes Polarlichter zu sehen wären. Ich kann euch sagen: ein Evakuationsalarm hätte den Speisesaal nicht schneller leer fegen können. Stark war das Leuchten jedoch nicht zu sehen, nur ein gründlicher Schimmer, der bereits binnen weniger Sekunden verlosch. Ich hab es nicht einmal geschafft, ein Bild aufzunehmen. Wir entschieden also zum Dessert zurück zu gehen, da wussten wir wenigstens, was wir bekommen.😀 Zudem tat es uns ein wenig für die Crew leid, deren Arbeit ein so abruptes Ende nahm. Etwas später versuchten wir erneut Lichter zu entdecken, doch selbst mit dem besten Willen war nichts mehr am Himmel zu entdecken.

Insgesamt fielen wir drei wohl auf dem Schiff ziemlich auf, oder besser gesagt: deutlich aus dem Reisenderaster. Wir waren nicht nur die mit Abstand am Jüngsten, sondern oft auch die, die hier und da durch kleine, aber stets als sympathisch-belustigend aufgenommene, aus der Menge stachen. Nicht zu vergessen natürlich auch meine Haare, die (wenn sie zu einem legeren Dutt gebunden sind) mich fast 2 Meter groß machen und an die Türen und teils auch Decken stießen ließen. Doch insgesamt glaube ich, dass die meisten Reisenden und auch Angestellten uns als lustiges und sympathisches Trüppchen wahrgenommen haben. Immerhin kam es immer wieder zu sehr lustigen Späßen und auch ernsteren Gesprächen mit den anderen Passagieren und der Crew. Ja, ich kann sagen: die gesamte Hurtigrutenfahrt wird mir als sehr positiv im Gedächtnis bleiben.

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Müde wie wir drei waren, legten wir uns an unserem letzten Abend schon zeitig schlafen. Zeitig am Samstag legte das Schiff in Trondheim an, wir frühstückten noch in aller Ruhe und verabschiedeten uns von einigen Mitreisenden, dann begaben wir uns zur letzten Station des Urlaubs: meine ab-und-zu Heimatstadt Trondheim. Doch das ist eine andere Geschichte.

[Gedanken] Etwas Gedankengrütze zum Osterurlaub

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Die beiden letzten Beträge sind gerade mal zur Hälfte jeweils fertig geschrieben und noch gar nicht veröffentlicht, trotzdem veröffentliche ich schon ein kleines Nachwort. Etwas Bonusmaterial, wenn man so möchte.

Am letzten Tag in Trondheim war ich abends unsagbar traurig darüber, dass der Urlaub und die Zeit mit meinen Freunden bereits vorbei sein sollte. Ich fühlte mich nicht bereit, zurück auf die Farm zu kehren und wieder ein paar Wochen von fast jeglichem zwischenmenschlichen Kontakten abgeschlossen zu sein. Es lag mir wie ein Stein im Magen und steckte wie ein Kloß im Hals: eine seltsame Mischung aus Trauer und auch irgendwie Angst.

Wer hier öfter liest oder auch privat Kontakt zu mir hält weiß, dass ich um Weihnachten rum ziemlichen Streit mit meiner Gastfamilie hatte. Die Wogen haben sich zwar inzwischen wieder geglättet und wir kommen wunderbar miteinander aus, doch irgendwie herrschte meinerseits eine gewisse Ungewissheit darüber, ob der Abstand zur Abgeschiedenheit alles in einem rosaneren Licht erscheinen ließ und ich fürchtete mich ein wenig davor, wie ich es wohl vertragen würde, wieder ohne Menschen und insbesondere die direkte Hilfe von Freunden zurecht zu kommen.

Doch schon während ich im Bus saß und die Umgebung immer und immer vertrauter wurde, verschwand jede Besorgnis und ein wohliges Ankommensgefühl durchströmte mich. Ja, ich war noch immer ungewiss darüber, wie gut ich mich wieder in die Einsamkeit einleben würde, aber ich spürte auch, dass ich wieder Zuhause ankomme.

Ich weiß nicht, wie lange dieses Glücksgefühl anhalten wird. Vielleicht ist es nur eine Blase für wenige Tage, vielleicht wird es mich nicht nächsten Wochen und Monate begleiten. Sicher sagen kann ich jedoch, dass dieser Abstand zu meiner Gastfamilie gut getan hat. Es lässt sich nicht leugnen, dass wir ziemlich aufeinander hocken und natürlich kommt es dadurch eher mal zu Reibungen, zudem die Gemüter im Winter eh insgesamt recht angetrübt waren. Für den Moment jedoch bin ich glücklich – und selbst wenn es mir schwer fällt mich wieder in mein Leben hier und die Abgeschiedenheit einzufinden, bereits in drei Wochen bekomme ich erneut Besuch und es geht erneut auf Reisen; und bis dahin ist die Zeit sehr absehbar.

[Bilder, Reisen] Osterurlaub #2 Tromsø 26.3.-29.3.

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[Bilder, Reisen] Osterurlaub #2 Tromsø 26.3.-29.3.

Katha, Patrick und ich kamen also am Montagabend in Tromsø an. Es war bereits fast dunkel und – es schneite wie verrückt. Wer sich die Arbeit alles zu lesen sparen möchte bekommt hier eine super kurze Zusammenfassung: die meiste Zeit unseres Aufenthaltes sahen wir mehr Schneeflocken als Himmel 😆

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Montagabend machten wir eigentlich nicht mehr allzu viel. Nachdem wir unser Airbnb bezogen hatten, wurde ein sehr einfaches Abendessen gekocht (Nudeln mit Instanttomatensuppe als Sauce 😛) und sich nach noch ein wenig Gequatsche schlafen gelegt. Ich muss sagen, dass diese erste Nacht nicht wirklich erholsam war. Vor unserem Fenster gab es bis etwa 2 Uhr morgens eine lebhafte Diskussion zwischen mindestens zwei Männern und irgendwann nachts kam jemand in die Küche, an die unser Zimmer angrenzte, und öffnete und schloss lautstark die Schränke.

Dementsprechend dauerte es am Dienstag etwas länger, bis wir alle wach genug zum Aufstehen waren. Bevor wir jedoch frühstücken konnten, mussten überhaupt erstmal Lebensmittel einkaufen gehen. Also wurde unser Frühstück eher zu einem Spätstück abgeändert – aber dafür war es ein gutes 😁

Den Tag über stampften wir durch den Schnee, freuten uns über jedes blaue Fitzelchen Himmel und gingen es insgesamt eher entspannt an. Wir begannen bei der Ølbar, der ältesten Brauerei von Troms, die ursprünglich mal eine deutsche Bäckerei gewesen ist. Gekauft haben wir jedoch nichts (das konnten wir uns gar nicht leisten), sondern sind nur wie eine Schneewehe mal eben rein und danach wieder raus geweht. Weiter ging es mehr oder weniger im Slalom durch die Gässchen, zur Tromsø Kathedrale, entlang des Hafens und des Piers, durch die Einkaufssträßchen, vorbei an der Bücherei, zum Perspektivet Museum.

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Das Perspektivet wurde als Fotografiemuseum beschrieben, dementsprechend hattem wir die Erwartung entweder auf Bilder von arktischen Tieren zu treffen oder etwas über die Entwicklung der Fotografie im Laufe der Zeit zu erfahren. Stattdessen fanden wir alte Bilder von norwegischen Familien und Sami vor, zu denen leider nicht allzu viele Informationen standen. Das war etwas enttäuschend, doch da das Museum keinen Eintritt gekostet hatte, war es auch nicht weiter dramatisch.

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Tatsächlich klarte sich der Himmel danach ein bisschen auf und wir flanieren gemütlich an der Hafenkante entlang und nach einer kurzen Kaffeepause begaben wir uns auf den Weg zur Tromsøbybru, der etwa einen Kilometer Brücke, die von der Tromsø Insel zum Festland führt. Auf dieser Seite der Stadt befindet sich die Ishavenkatedrale, einer Kirche, die durch ihr modernes Desin heraus sticht.

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Vor der Ishavenkatedrale machten wir einen etwas längeren Stopp, doch leider konnten wir die bunten Fenster auf der Rückseite nur recht undeutlich erkennen. Es war einfach zu hell. Dennoch hat es mir das Gebäude angetan.

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Eigentlich wollten wir auch noch mit der Gondel zur Fjellstua, einem Berg, von dem aus man die Innenstadt überblicken kann. Doch aufgrund der eher eingeschränkten Sichtverhältnisse und der inzwischen untergehenden Sonne entschieden wir uns vorerst dagegen.

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Mittwochfrüh sah es zunächst herrlich klar aus, doch kaum hatten wir fertig gefrühstückt, zog sich der Himmel komplett zu – und den ganzen Tag sah man die Hand vor Augen kaum, so sehr schneite es. Unser Plan auf die Fjellstua zu fahren fiel also erneut ins Wasser – nein Pardon, in den Schnee.

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Wir entschieden also in einen Abstecher in eines der bezahlten Museen zu machen, waren jedoch ähnlich enttäuscht wie von dem Fotografiemuseum. Doch immerhin wir konnten auf die Art eineinhalb Stunden warm und trocken verbringen.

Ein Vorteil des Schnees war: das Wetter war einschätzbar. Und man konnte auf Schneehügel klettern, die in echt 4-5 Meter hoch waren, auf Bildern jedoch eher wie Maulwurfshügel wirkten. Doch er verhinderte leider auch jede andere Aktivität. Der restliche Tag bestand also tatsächlich nur noch aus Souveniershoping.

Abends schleppten wir irgendwie unser Gepäck vom Airbnb in die Innenstadt. 2km, ein Backpack, ein heiler Koffer und ein kaputter Koffer. Wenn das keine Kampfansage ist! Bis zur Ankunft unseres Schiffes warteten wir in einem Pub, spielten Karten und aßen ziemlich leckere Bratkartoffeln.

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Gegen Mitternacht zogen drei Schneemonster zum Pier, um zum nächsten Abenteuer zu starten. Doch das ist eine andere Geschichte.

[Bilder, Reisen] Osterurlaub in Norwegen #1 Tondheim 23.-26.3.

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[Bilder, Reisen] Osterurlaub in Norwegen #1 Tondheim 23.-26.3.

Zuerst: Ich wünsche euch allen ein frohes Ostern, wo auch immer ihr gerade seid und was ihr vor habt, ein paar entspannte freie Tage und vielleicht sogar schönes frühlingshaftes Wetter. (Ironischerweise sitze ich auf dem Sofa, während ich das schreibe und beobachte durch das Fenster, wie Trondheim in einer dicken Regenwolkensuppe versinkt. 😀 )

So wie wahrscheinlich ein Großteil der Norweger fährt auch meine Gastfamilie über die Osterzeit in påskeferie (påske = Ostern). Üblicherweise geht dieser Trip auf eine hytte in den Bergen und ist mit viiiieeel Skifahren verbunden. Diese Hytte ist (traditionell gesehen) so primitiv wie möglich und richtig schön koselig, was in ihrem Fall bedeutet, dass sie aus 2 Zimmern und einem Wohnzimmer mit Kochzeile besteht. Als Klo dient ein Eimer, Strom gibt’s nur von der Autobatterie. Meine Gastmutter gestand mir, dass sie nicht so gerne über Ostern zu der Hytte fährt, da in den Bergen natürlich noch sehr hoher Schnee liegt (um genau zu sein gerade rund 2 Meter) und sie sich an dem ewigen Weiß schon recht lange satt gesehen hat. Zudem man eben wirklich nur per Ski voran kommen kann. Doch weil es Tradition ist und die Kinder den Schnee in den Bergen so lieben, wird Ostern natürlich trotzdem dort gefeiert. Ebenso traditionell ist übrigens der „påskekrim“ und jeder waschechte nordmann muss über Ostern zumindest einen Krimi lesen. Gut, dass ich kein waschechter Norweger bin, denn Krimis kann ich nicht wirklich viel abgewinnen. Ich hab mich stattdessen für einen Fantasyroman eines Schriftstellers aus meiner Region entschieden. Zählt in meinen Augen auch fast 😂

Jedenfalls wurde mir frei gestellt, ob ich mit auf die Hytte kommen möchte oder nicht. Da meine beste Freundin und ihr Freund mich gerne besuchen wollten (und mir 8 Tage auf engstem Raum mit meiner Gastfamilie ohnehin zu viel des Guten geworden wären), entschied mich dankend dagegen und stattdessen dafür mit Katha und Patrick zu verreisen.

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Nach Wochen der Planung, Buchung und des Wartens ist es nun also endlich so weit. Also fast, denn auf die beiden treffe ich erst am Montagabend. Trotzdem bin ich genau genommen bereits seit Freitagabend im Urlaub. Nach der Arbeit nahm ich die letzte Busverbindung von der Farm nach Trondheim und 4 Stunden und zwei Umstiege später war ich dann endlich in unserem Haus angekommen. Ich verabredete mich noch für den nächsten Tag mit Mareike und Juliane, zwei AuPair-Freundinnen aus Trondheim und war eigentlich schon fast im Bett, als ich draußen ein grünliches Schimmern entdeckte.

Binnen weniger Sekunden war ich mitsamt Kamera und Pyjama auf dem Balkon und versuchte ein paar gute Bilder von den Polarlichtern über der Stadt zu bekommen. Wirklich geglückt ist es mir allerdings nicht: die Polarlichter waren zwar deutlich zu sehen und tanzten wild über den Nachthimmel, doch nach gerade einmal fünf Minuten war das ganze Schauspiel bereits vorbei und eine dichte Wolkenwand schob sich Richtung Norden.

Es ist wohl ein allbekanntes Phänomen, dass man an den Tagen, an denen man endlich mal ausschlafen könnte, bereits super früh aufwacht. Ich schaffe es lustigerweise sogar, noch früher als an meinen Arbeitstagen aufzuwachen. Anstatt also wie erhofft bis 9 Uhr im Land der Träume zu verbringen, war ich bereits um 7 putzmunter. 😀 Und das, als absoluter Morgenmuffel.

Um viertel vor zehn machte ich mich dann auf den Weg zum Ausverkaufsort der Nidar Fabrik, einem Schokoladenladen, in dem man das braune Gold nicht nur für norwegische Verhältnisse super günstig bekommt, sondern auch einiges zur Verkostung angeboten wird. Nidar gehört neben Freia zu den größten Naschereiproduzenten in Norwegen und produziert neben Schokolade in allen möglichen Formen und Geschmacksrichtungen auch Lakritze oder Naschgummis, doch hauptsächlich eben Schokolade. Ich war echt froh ausreichend gefrühstückt zu haben, denn ansonsten wäre mir wohl von dem ganzen Süßkram ziemlich übel geworden 😆

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Nachdem wir uns mit Naschereien eingedeckt hatten, liefen wir mit ein paar kleineren Umwegen in die Innenstadt, tranken Kaffee, aßen kostenlose Waffeln und schlenderten durch ein paar Läden. Abends kochten wir gemeinsam unser Abendessen, da auch Mareikes und Julianes Gastfamilien bereits im Urlaub waren und es gemeinsam einfach viel kuscheliger und gemütlicher ist. Nachts versuchten wir unser Glück nochmal Polarlichter zu sehen, doch es war viel zu bewölkt um irgendetwas erkennen zu können.

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Sonntag konnte ich aus erster Reihe beobachten, wie sich eine dicke Regenwand über Trondheim schob – und dort erstmal den ganzen Vormittag bis Abend blieb. Die Motivation zum Rausgehen war entsprechend des abwechselnden Schnee-Hagel-Regens draußen gleich null, doch das war auch okay, so konnte ich den Morgen zum entspannen nutzen.

Doch am frühen Nachmittag kamen Mareike und Juliane, noch immer hing eine dicke Wolkendecke über der Stadt. Unser Plan zumindest an dem Abend Polarlichter zu sehen schien somit gefährlich ins Wanken zu geraten.

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Nach unserem provisorischen Gequatsche bereiteten wir einen Hefeteig vor, mit der Intention Ostergebäcke zu backen, um zumindest ein wenig heimliches Gefühl zu bekommen. Es war definitiv lustig und chaotisch, doch schließlich gab es Osterkränzchen und Zöpfe, gefüllt mit Nutella, Marmelade und ganz klassisch ohne alles – leeeecker 😍

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Und nachts – wie von Zauberhand – verschwanden alle Wolken. Doch wirklich zu sehen war draußen nichts. Dennoch gingen wir auf den Balkon und plötzlich bot sich uns ein totales Farbenschauspiel, direkt über der Stadt und dem Nidaros. Die Lichter tanzten und pulsierten am Himmel.

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Montag gönnte ich es mir schön lange auszuschlafen, bevor ich meine sieben Sachen zusammen packte und mich mitsamt meines 14kg schweren Backpacks in die Stadt machte. Mein Rücken jubelierte. Und wenige Stunden später traf ich am Flughafen auf Katha und Patrick und wir flogen gemeinsam nach Tromsø. Doch das ist eine andere Geschichte.

[Bilder, Gedanken] Monatsupdate #6 – Die ersten Frühlingsgefühle

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[Bilder, Gedanken] Monatsupdate #6 – Die ersten Frühlingsgefühle

Ein ganzes halbes Jahr – so lange bin ich schon in Norwegen. Und auch wenn ich Jojo Moyes Buch nie gelesen habe, vermute ich, dass es insgesamt spannender ist, als meine bisherigen Erlebnisse hier 😀 Eigentlich könnte auch dieser Monat unter dem gleichen Titel wie der letzte veröffentlicht werden. Doch halt, ein paar Kleinigkeiten sind schon passiert – wenn auch nichts weltbewegendes (Aber Kleinvieh macht auch Mist)

Der Stall (ja, er bekommt einen extra Absatz) ist endlich, endlich, endlich fertig. Nach insgesamt 5 1/2 Monaten und 3 Monate später als geplant. Die Kühe haben Einzugsrecht erhalten – und jetzt kommt die bittersüße Ironie: sie mögen den Stall nicht. Vielleicht habe ich es schon Mal erwähnt, vielleicht auch nicht. Bei den Tieren handelt es sich um Galloway Rinder (genauer gesagt um Black Belted Galloways), welche ziemlich wetterresitent sind und – zumindest bei uns – eigentlich das ganze Jahr draußen stehen. Dadurch wiederum handelt es sich um Kühe, die wild sind und ihre Freiheiten schätzen (und sie sind sehr misstrauisch gegenüber Menschen – doch das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass meistens mehrere von ihnen auf Nimmerwiedersehen verschwin… Aber ich schweife ab.) Jedenfalls klagen meine Gasteltern nun darüber, dass die Tiere zwar im Stall fressen, danach jedoch so schnell wie möglich wieder in die Weiten ihrer Weide entschwinden. Trotzdem: er – ist – fertig! Wobei, fertig ist auch relativ. Der Boden rund herum muss noch begradigt werden, aber das geht erst im Frühjahr, denn momentan ist hier alles noch tiefgefroren, das Silo fehlt noch, aber auch das kann erst nach Enttauen des Bodens aufgestellt werden und hier und da fallen immer wieder größere und kleinere Kleinigkeiten auf, die noch erledigt werden müssen. Aber ich bleibe dabei: Er ist vollbracht.

 

 

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Über das Thema „gefrorener Boden“ leite ich nun galant über zum Wetter. Das gehört ja inzwischen ebenso in meine Updates, wie mein ewiges Palaver. Während in den meisten Teilen Deutschlands bereits der Frühling an der Tagesordnung zu seien scheint, liegt hier noch fast flächendeckend Schnee. An der einen oder anderen Stelle lugt ein kleines Fitzelchen braunes Gras hindurch, doch ansonsten bestimmt noch ein schier undurchdringliches Weiß das Gesamtbild. Doch da es tagsüber zumindest um die Null Grad wird und die Sonne scheint, beginnen die obersten Schichten des Schnees zu schmelzen – und gefrieren wieder, sobald die Sonne weg ist. Auf den Wegen könnte man problemlos wilde Schlittschuhrennen veranstalten und ich behaupte, man käme so um einiges angenehmer und ungefährlicher als auf normalen Schuhen voran. Eigentlich sollte es diese Woche wärmer werden, doch am Montag begann es, trotz versprochener acht Plusgrade, wieder zu schneien.

 

 

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Bei unserer Fensterbank in der Küche handelt es sich seit Wochen eher um eine Aufzuchtsstation junger Pflänzchen. Im letzten Herbst haben wir ein Gewächshaus im Garten aufgebaut, welches nun auf seinen Gebrauch wartet. Aber auch der scheitert mal wieder an den kalten Temperaturen (gerade nachts werden es gerne nochmal unter -10 °C). Jedenfalls tummelt sich unter zwei Aufzuchtslampen alles mögliche von Artischocke bis Zucchini und verdrängt nach und nach alles, was eigentlich Gewohnheitsrecht im Fenster gehabt hätte. Ich kam auf die Idee, ein paar der getrockneten Kichererbsen zu pflanzen und zur Überraschung von meiner Gastmutter und mir entwickeln sie sich ziemlich gut (dazu sollte man vielleicht sagen, dass es sich um recht alte Kichererbsen handelte und wir eigentlich dachten, dass sie nicht mehr genügend Power zum Wachsen hätten).

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Dennoch: man merkt, dass der Frühling kommt. Das erste Huhn hat vor zwei Tagen begonnen Eier zu legen und ich hoffe inständig, dass sich die anderen ein Beispiel an ihm nehmen. Und auch die anderen Vögelchen sind bereits in bester Laune, fliegen lustig umher und zwitschern aufgeregt ihre Lieder. Nun muss nur noch der Schnee verschwinden.

 

 

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Wie gewohnt alle Bilder im Kleinformat