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Monatsupdate #9 und #9 3/4 – Die letzten eindreiviertel Monate in Norwegen

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Monatsupdate #9 und #9 3/4 – Die letzten eindreiviertel Monate in Norwegen

Jetzt ist es ganz offiziell vorbei – ich bin kein Au Pair mehr. Ich sitze mit einem Kaffee und einer Zimtschnecke in einem Café in Røros und versuche, diese Information und die letzten eindreiviertel Monate in der Gastfamilie zu verarbeiten, während ich auf meinen Vater und Susanne warte.

Die Situation in meiner Gastfamilie ist über die letzten Wochen nochmal total aus dem Ruder gelaufen und gerade überwiegt ganz klar die Erleichterung darüber, dass es vorbei ist. Ja, ich werde die Kleine unglaublich vermissen und finde es schade, dass ich sie wohl nie mehr sehen werde, doch in den letzten Wochen habe ich nochmal ganz klar gemerkt, dass ich menschlich unwillkommen und definitiv kein Familienmitglied bin.

Doch erstmal der Reihe nach. Über den 17. Mai, dem norwegischen Nationalfeiertag, waren wir in Trondheim. Über meine Eindrücke schreibe ich noch einen separaten Beitrag, beziehungsweise habe ich ihn schon geschrieben und muss nur noch die passenden Bilder auswählen.

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Das Wetter der restlichen Maitage waren, ebenso wie in die ersten beiden Wochen, unglaublich sonnig und warm und ich war – sooft wie möglich – im Fjord schwimmen. Obwohl das Wasser eisig kalt war, war es eine angenehme Erfrischung und ich habe die Erfahrung gemacht, dass es unglaublich befreiend sein kann, zwischen den Algen herum zu dümpeln und raus aufs Meer zu schwimmen.

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Der Juni war eigentlich durchgehend kalt und verregnet. Man hatte das Gefühl, dass das Land den eingesparten Regen vom Mai so schnell wie möglich wieder rausholen wollte. Es machte weder Spaß draußen herum zu laufen, weil man entweder umgepustet oder sofort bis auf die Knochen durchnässt war, noch ständig im Wetterbericht von Sonne in Deutschland und noch mehr Regen in Norwegen zu lesen. Mit Baden wurde es also im Juni nicht wirklich was. 😆

Dafür bin ich im Juni den Atlantikhavsveien abgefahren. Dabei handelt es sich um eine ganze Kette von Brücken und Inseln, die jedoch am besten bei starkem Wellengang aussehen. Bei mir war es nur bewölkt und verregnet, aber trotzdem fand ich sowohl die Brücken an sich als auch die Inseln unglaublich schön.

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Über meinen Geburtstag bekam ich Besuch von einer Freundin aus Deutschland. In Trondheim zeigte ich Alexandra zuerst die wichtigsten Sehenswürdigkeiten (Klassiker wie Kirstiansten, Gamlebybru, Innenstadt und den Nidaros) und gingen gemeinsam in die drei Nidarosmuseen, beziehungsweise zwei Museen und den Dom selber. Das hatte ich selber zuvor auch noch nicht gemacht und fand es überraschend spannend, mir das erzbischhöfliche Museum mit der Geschichte zum Dom, die Schatzkammet mit den königlichen Kronjuwelen und selbstverständlich den Nidaros selbst von innen anzuschauen. Am spannensten fand ich, über die unzähligen verschiedenen Skulpturen am und im Dom zu hören und eine ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: das Gesicht einer missglückten Botoxbehandlung 😆

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Im Nidaros kamen wir gerade noch rechtzeitig für die Turmbesichtigung, für die man zwar extra bezahlen musste, aber gleichzeitig auch einen atemberaubenden Blick über die Stadt bekam (was bei strahlendblauem Himmel wirklich mehr als lohnend ist!) 🙂

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Die nächsten zwei Tage kam sie mit auf die Farm. In meinen Geburtstag feierten wir mit tiefschürfenden Gesprächen und Gummibärchen, um Mitternacht packte ich zwei kleine Geschenkpakete aus. Nachmittags fuhren wir in die Stadt und gingen erst Kaffee trinken und anschließend chic essen, dann fuhren wir zurück in die Gastfamilie. An dem Tag passierte nichts spektakuläres und nichts großes, doch für mich war es perfekt. Enttäuschend fand ich bloß, dass meine Gastfamilie meinen Geburtstag so ziemlich vergaß und ich das Geschenk, das sie mir am Abend versprachen nie bekam und spätestens ab diesem Tag ging die Stimmung Zuhause nur noch den Bach runter.

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Am 3. Juni flog Mareike, als erstes der Trøndermädels nach Hause nach Deutschland. Es war recht lustig, weil wir es tatsächlich schafften, uns vier Mal zum letzten Mal zu treffen 😆 Wenige Tage folgten Rafaela und Anja, Ende Juni Kira und Leonie. Als nächste habe ich heute aufgehört, in zwei Tagen hat Juliane (und damit die letzte aus dem Bunde) es geschafft. Für die Mehrheit gesprochen würde ich sagen, dass alle glücklich sind, es geschafft zu haben und wieder zurück in ihren richtigen Familien zu sein.

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Seit dem 22. Juni wohne ich nun nicht mehr auf der Farm, sondern in Trondheim. Mir hat es ziemlich den Boden unter den Füßen weggezogen, als meine Gastfamilie am Vortag verkündete, dass ich alle Sachen zusammen packen müsse und wir über die letzten 2 1/2 Wochen nicht mehr zurück fahren würden. Mir blieb so keine Zeit mich innerlich von irgendwas zu verabschieden und mit dem Leben auf dem Bauernhof abzuschließen. Gleichzeitig wurde mir auch die abgesprochene Übernachtung mit meinem Vater und Susanne auf dem Hof gestrichen, weswegen wir kurzfristig umplanen mussten.

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Die letzten zwei Wochen arbeitete ich also in der Stadt, ohne WLAN und mit einer Gastfamilie, die mich abwechselnd klein redete oder ignorierte. Dementsprechend viel war ich unterwegs und versuchte, dem ganzen Wirrwarr zu entkommen. An einem Tag ging ich zu einem Wikingermarkt, etwas außerhalb vom Zentrum. Es war unglaublich kalt und verregnet, aber gleichzeitig auch super schön 🙂 Es war ein recht kleiner Markt, nur sechs oder sieben Buden verkaufen und an einer Stelle gab es Essen und Trinken, doch man merkte, dass die Leute, die dort verksuften, mit Herzblut bei der Sache dabei waren.

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Der Abschied verlief kurz und schmerzlos. Ein distanziertes „Ha dat bra“, eine kurze Umarmung, dann war es vorbei. Der Kleinen ließ ich noch einen selbst gestrickten Teddy da und von ihr bekam ich viele Abschiedsküsschen mit auf den Weg. Behalten werde ich wohl nur die Erinnerungen an die 9 3/4 Monate und ein paar verwackelte Bilder.

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[Bilder, Gedanken] Monatsuptade #7 – Vom Reisen und dem langsam einsetzenden Frühling

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[Bilder, Gedanken] Monatsuptade #7 – Vom Reisen und dem langsam einsetzenden Frühling

** Den Text hatte ich tatsächlich rechtzeitig fertig, aber irgendwie war in den letzten zwei Wochen so viel Stress und los, dass ich nicht zum hochladen gekommen bin. Also mal wieder etwas zu spät (während ich parallel schon am nächsten Monat schreibe 😂) **

In Märchen ist die Sieben eine magische Zahl, eine Glückszahl, eine Zahl mit besonderen Kräften. Nein, ich bin nicht abergläubisch. Ich glaube auch nicht, dass an einem Freitag dem Dreizehnten besonders viele Unglücke geschehen. Aber rückblickend kann ich definitiv sagen, dass der letzte Monat gut war. Verglichen mit den vorherigen Monaten ist unglaublich viel passiert und inzwischen machen viele Dinge mehr Sinn.

Reisen und Busfahren war diesen Monat ein elementarer Bestandteil. Direkt am Anfang hab ich mir endlich eine Busfahrkarte geholt. Am Anfang hier hab ich den Bus so gut wie nie genommen, doch dann gingen nacheinander beide Autos kaputt und, auch wenn das eine noch irgendwie fährt und das andere durch ein neues ersetzt wurde, baten meine Gasteltern bereits vor rund 2 Monaten auf die Busse umzusteigen. Grundsätzlich ist das auch total okay: beim alten Mini-Bus weiß man nie so genau, was passiert (der Motor hört sich seit Ewigkeiten alles andere als vertrauenserregend an, die Scheibenwischer sind festgerostet und werden von Seilen in Position gehalten und die Batterie entlädt sich regelmäßig komplett) und den funkelniegelnagelneuen Hybrid möchte ich gar nicht fahren – zu viel Verantwortung. 😆 Also musste eine Busfahrkarte her, denn ansonsten fallen selbst die kürzesten Distanzen auf die Dauer gewaltig ins Geld. Das Problem mit der Jugendkarte ist bloß: man muss sie an einem der Verkehrszentralen abholen. Und die nächste liegt von mir aus schon über 1 1/2 Stunden mit dem Bus entfernt und weil die Busse nur zu so blöden Zeiten fahren, musste dieser Ausflug mit meiner Gastfamilie geplant werden. Jedenfalls: ich hab meine Buskarte, sie kostet mich jeden Monat rund 412 Kronen, aber dafür kann ich in der ganzen Møre- und Romsdalregion herum fahren. Und alleine mit zwei Hin- und Rückfahrten in die nächste Stadt hab ich den Preis wieder locker raus. Und das nutze ich seither auch: in jeder Woche nach dem Osterurlaub bin ich einmal in die nächste Stadt gefahren. Mal nach der Arbeit und mal an meinem freien Tag.

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Aprospos Ostern, über die Urlaube hab ich ja schon in #eins #zwei #drei #vier Schritten ausführlich geschrieben. Hier sei nur nochmal ganz kurz gesagt, dass ich die Tage mit allen Menschen, mit denen ich in der Zeit zu tun hatte, unendlich genossen habe und mir der Urlaub garantiert sehr lebendig in Erinnerung bleiben wird.

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Auch wenn es mit der Sprache schon seit einer Weile immer leichter klappt, war ich in den letzten Wochen doch immer wieder erstaunt, wie gut mir das Verstehen und Sprechen inzwischen von der Hand geht. Gesprächen anderer kann ich inzwischen inhaltlich fast immer folgen, auf norwegisch lesen strengt mich nicht mehr so extrem an, Fernsehen und sogar Radio hören funktioniert an den meisten Tagen auch ohne Verständnisprobleme. Zwar werde ich am Ende des Jahres wohl am leichtesten Gespräche über Landwirtschaft und Rinderzucht führen können, aber hey, das kann wahrscheinlich auch nicht jeder Sprachenlernende ohne großartig darüber nachdenken zu müssen. Mein persönlicher größter Triumph erfolgte vor ein paar Wochen, als ich mich auf der Autofahrt nach Trondheim etwas mehr als drei Stunden mit meinem Gastvater unterhalten habe und ich mir bei fehlenden Wörtern durch Umschreibungen helfen konnte.

Auch ansonsten fühle ich mich selbstbewusster mit der Sprache. Wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich auf norwegisch nach. Wenn der Gegenüber auf englisch erklärt, antwortete ich trotzdem auf norwegisch. Wenn mich jemand nicht beim ersten Mal versteht, überlege ich kurz was falsch war und wechsle nicht ins Englische. Vielleicht werde ich norwegisch nie so perfekt sprechen und verstehen können, wie ich am Anfang gehofft habe, doch wahrscheinlich liegt das an meinen anfangs zu hohen Erwartungen.

Aber ganz insgesamt herrscht in meinem Gehitn ein totales Sprachchaos, weil ich oft schnell zwischen den drei Sprachen wechseln muss. Letzten Montag war es dann besonders extrem: ich hab seit ein paar Stunden Rezepte vom Deutschen ins Englische übersetzt, als der 13-Jährige mich bat, ihm bei seinen Deutsch Hausaufgaben zu helfen. Er diktierte also die norwegischen Sätze, die ich wiederum versuchte ins Deutsche zu übersetzen, während mein Kopf noch komplett im Deutsch-Englisch Modus war. Sag ich es mal so: manchmal musste ich so lange überlegen, dass er nicht wusste, ob ich seinen Satz nicht verstanden hatte oder ob deutsch auch für Muttersprachler eine fürchterlich schwere Sprache ist. 😆

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Das Verhältnis zu meiner Gastfamilie ist im Großen und Ganzen nach wie vor recht gut, beziehungsweise zu meinen Gasteltern ist die Beziehung gut. Es gab so ein paar Tage, an denen war ich mir nicht ganz sicher, ob etwas im Busch wäre, aber als ich sie darauf ansprach, war von ihrer Seite her alles in Ordnung. Zu den beiden Großen konnte ich nach wie vor null Beziehung aufbauen und inzwischen hab ich akzeptiert, dass sich das wohl auch nicht mehr ändern wird. Der einzige Kontakt findet statt, wenn ich dem ganz Großen bei seinen Deutschhausaufgaben helfe. Die Kleine ist momentan zwar super, super anhänglich, aber auch in einer unglaublichen Zicken-Phase. 😀 Zum Glück sind meine Gasteltern und ich da komplett auf einer Seite, was es insbesondere bei den Trotzanfällen leichter macht, zu deren Zeit ich arbeite. Trotzdem habe ich sie unglaublich lieb und mag noch gar nicht daran denken, wie bald meine Zeit hier zu Ende ist.

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Wettertechnisch ist es wechselhaft. Manche Tage sind richtig sonnig, an den anderen ist es stürmisch und verregnet. Wenn die Sonne scheint, ist es angenehm und warm genug, um mit Pulli raus zu gehen, ansonsten ist es noch recht frisch. Die Tage sind inzwischen über eine Stunde länger als in Deutschland. Sonnenuntergang ist irgendwann nach acht, wirklich dunkel ist erst ab halb 12, wenn ich um 5 kurz aufwache, ist es schon wieder dämmrig. Da ich leider ein Mensch bin, der bei Licht gar nicht schlafen kann und ich auch keine Vorhänge an meinem Fenster hab, schlafe ich momentan mit einem Sweatshirtpulli oder einem Schal über die Augen gewickelt und das geht soweit auch ganz gut 😀 Dafür beginnt es ganz, ganz langsam draußen frühlingshafrt zu werden. Der Schnee direkt bei uns hat Ostern begonnen zu schmelzen und ist inzwischen komplett verschwunden. Das Gras ist zwar noch größtenteils gelblich-vertrocknet, doch stellenweise sprießen schon grüne Hälmchen durch und die Krokuse haben gerade begonnen zu blühen.

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[Gedanken] Ein kleiner Ausflug in mein Zuhause

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[Gedanken] Ein kleiner Ausflug in mein Zuhause

Du reihst dich mit dem Auto in eine kleine Warteschlange ein. Links unter dir glitzert das dunkelblaue Meer, ein erfrischender Wind weht und ein paar Möwen ziehen lachend ihre Kreise. Die Anzeigentafel gibt an, dass die nächste Fähre in 12 Minuten geht. Hier und dort stehen ein paar Menschen neben ihren Autos und drehen ihr Gesicht der Sonne entgegen, du kurbelst das Fenster herunter, schließt die Augen und genießt das warme Gefühl auf der Haut.

Die Fähre legt an und ein paar Autos fahren dir entgegen. Langsam kommt auch deine Reihe ins Rollen und ein Mann winkt dich zu der Mittelbahn. Du schaltest den Motor ab, zahlst für den Transfer und wartest.

Auf der anderen Seite fährt eine geschlossene Karawane durch den Ort: die Hauptstraße führt nur in eine Richtung. Sie führt auf eine kleine Anhöhung, jetzt glänzt das Meer auf deiner rechten Seite, dunkelblau und voll wie zuvor. Dein Blick gleitet etwas weiter in die Ferne, hier reihen sich mehrere Berge neben und hintereinander. Ein sanftes Lächeln liegt auf deinem Gesicht und ein warmes Gefühl durchströmt deinen Körper, ihre Form würdest du inzwischen überall heraus ernennen.

An der Kreuzung fährt etwa eine Hälfte der Fahrer weiter gerade aus, doch du folgst mit der anderen Hälfte der rechten Straße. Links von dir türmt sich hoher Fels auf, der teils von gefrorenen Wasserläufen bedeckt wird und rechts stehen vereinzelt Bäume, darunter liegt das Meer. Die Straße ist von Schlaglöchern und Unterspülungen gezeichnet und du bist froh, in einem recht hoch gelegten Minivan zu sitzen. Obwohl du nicht allzu schnell fährst, federst und wippst du stark in deinem Sitz.

Eine schier nie endende Aneinanderreihung scharfer und schwacher Kurven begleitet dich auf der Fahrt. Hier und dort stehen auf beiden Seiten vereinzelte Häuser und Höfe. Ein Fischer sitzt auf den Steinen und versucht sein Glück, während auf dem Meer bereits das erste kleine Boot schippert.

Eine Kurve noch, dann öffnet sich die Sicht: Du siehst ein paar Wiesen und Felder, auf der rechten Seite schaust du auf mehrere Gebäude herab. Ein sanftes Kribbeln durchläuft deinen Körper, du bist fast Zuhause angekommen. Die Straße führt links herum, du drückst den Blinker herunter und lässt dich ein wenig ausrollen. Hinter dem Briefkastenhäuschen drehst du das Lenkrad nach rechts. Jetzt siehst du links das Meer und die Berge im Hintergrund. An ihrem Fuß liegt eine winzige Ortschaft.

Aus den Bäumen fliegen ein paar Spatzen und Krähen empor, als das Auto den Weg herunter tuckelt. Du kommst an einem kleinen Wohnhaus vorbei, dahinter folgt das rote Stallgebäude. Ihm gegenüber, auf deiner rechten Seite steht ein kleines Gewächshaus und ein paar Beete, in denen die inzwischen bräunlichen Gerippe der Pflanzen aus dem Vorjahr stehen, dahinter folgt ein Geräteschuppen, vor dem ein roter Traktor steht. Er hat noch die Schneeketten an seinen Reifen.

Vier weiße und ein schwarzes Huhn scharen im Kies und flattern aufgeregt davon, als der Wagen auf die Wiese fährt. Vor einer wettergezeichnteten Holzbank kommt er zum stehen. Du fühlst noch kurz dem schwachen Vibrieren nach, das von dem knatternden Motor ausgeht, bevor du den Schlüssel umdrehst. Du machst dir nicht die Mühe ihn abzuziehen und auf das Amaturenbrett zu legen, sonst würde er wieder vom nächsten Fahrer gesucht werden.

Mit einem schwungvollen Hops springst du aus dem Auto und dehnst kurz deinen Rücken durch. Die Hühner kommen inzwischen zurück auf die Wiese und beginnen erneut zu scharen.

Dein Blick gleitet zum Wohnhaus. Die weiße Farbe weist an vielen Stellen einen gräulichen Schimmer auf oder bröckelt vom Holz. Unter der Dachrinne liegen mehrere Vogelnester, um die ein eifriges Treiben herrscht. Du beobachtest kurz das Spektalel, dann richtest du deine Aufmerksamkeit ein kleines Stück weiter in die Ferne. Nun siehst du das gelbe Nachbarhaus, dahinter liegt das Meer.

Du drehst du deinen Kopf noch etwas weiter nach links, wo das kleine alte Lebensmittelhäuschen auf seinen Pfählen liegt. Es wird nicht mehr genutzt und zwei der kleinen Fensterscheiben sind zerbrochen. Dahinter liegt der Stall des Nachbarn, vor dem gerade ein Milchlaster befüllt wird.

Du gehst zum Wohnhaus und drückst die Tür auf, die sich knarrend öffnet. Bereits im Flur steigt dir ein markanter Duft aus der Küche in die Nase. Du streifst die Schühe ab und versuchst leise die Küchentür zu öffnen. Doch sie gibt das gewohnt laute Knallen von sich, sobald der Falle aus der Halterung gleitet, gefolgt von dem Quietschen der Angeln, sobald sie aufschwingt.

Du betrittst die große Essküche. Auf dem Herd steht ein riesiger dampfender Topf, der wohl der Grund für den starken Geruch beinhaltet. Du hebst den Deckel an und blickst auf ein paar Schafsknochen, die in ihrer eigenen Brühe vor sich hin köcheln. Die Sonne scheint durch die Fenster gegenüber von der Tür und fällt auf die vielen jungen Pflänzchen, die erst bei milderen Temperaturen in den Garten dürfen. Das Holz der Küchenschränke hat im Licht fast schon einen goldenen Schimmer.

Es herrscht ein wohnliches Chaos aus Handschuhen, Spielsachen und Topflappen, das feinsäuberlich von der Jüngsten kreiert worden ist. Aus dem großen Wohnzimmer ertönt der Fernsehr, im Kleinen telefoniert deine Gastmutter. Du gehst auf das Waschbecken zu, hinter dem sich die grüne Fliesentapete im Stil der 80er bereits stellenweise von der Wand löst und greifst nach dem Resteeimer. Mit einem Handzeichen gibst du deiner Gastmutter zu verstehen, den Eimer zu den Hühnern zu bringen.

Du verlässt das Haus erst durch eine quietschende, dann durch eine knarrende Tür und läufst den Weg hinauf zum Stall. Die Hühner folgen dir aufgeregt, sobald sie den Eimer in deiner Hand erkannt haben. Vor der Stalltür stellst du ihn ab und drehst dann den schweren Eisenschlüssel im Schloss, um die Tür zu öffnen. Staubkörner tanzen im einfallenden Licht der Sonne und ein heimeliger Duft nach Heu steigt in deine Nase.

Du schließt die Holztür hinter dir, der Riegel schnappt mit einem lauten Klacken zu. Du gehst die paar Schritte zur gegenüberliegenden Tür. Wenn du sie öffnen würdest, würdest du den Geruch frischer Farbe wahrnehmen und auf einige Farbtöpfe stoßen. Rechts von dir ertönt ein hungriges Muhen, links hörst du Hufgetrappel und viele piepsende Stimmchen.

Du beschließt, zuerst den Kälbern einen kurzen Besuch abzustatten. 5 schwarze und ein brauner felliger Kopf schauen kurz zwischen den Holzlatten hindurch, bevor sich ihre Besitzer umdrehen. Du beobachtest kurz, wie die Kälber sich misstrauisch an die gegenüberliegende Wand drängen, bevor sie langsam zurück in Richtung Gang kommen. Ein oder zwei Tiere muhen dir neugierig zu.

Nach einer Weile drehst du dich um und folgst dem Gang zum gegenüberliegenden Ende. Unterwegs füllst du einen kleinen Eimer mit Hühnerfuttergranulat. Das aufgeregte Piepsen wird beim Rascheln des Futtersackes lauter. Du entriegelst die Gittertür und betrittst den Küken- und Junghühnerstall. Noch bevor du die Tür geschlossen hast, sitzen die ersten Tiere im Eimer. Du befüllst alle Futterspender und Schälchen und schaust ein wenig dem wuseligen Kampf ums Futter zu. Sobald alles satt ist, nimmst du ein Küken in die Hand und fährst mit vorsichtigen Bewegungen über die weichen, gelben Federn, während der kleine Schnabel an der Handfläche knabbert.

Von der Tür neben dem Hühnergehege ertönt ein kräftiges Hämmern. Du setzt den kleinen Piepmatz in die Kükenkiste und trittst wieder in den Gang. Hinter der Holztüre zu deiner Rechten ertönt ein Mähen. Du schiebst den Riegel hoch und öffnest die Tür einen Spalt weit. Ein paar Ziegenköpfe drehen sich zu dir und ihre Nüstern versuchen heraus zu finden, ob du ihnen etwas essbares bringst. Sobald du zwischen den beiden Zäunen stehst, beginnen hungrige Nasen an dein Hosenbein zu stupsen und hungrige Mäuler an deinen Schnürsenkeln zu knabbern. Du gehst in die Hocke und streichst über weiche Nasen, darauf bedacht nicht gebissen zu werden. Irgendwann richtest du dich langsam auf, gehst zurück in den Gang, vorbei an dem leiser gewordenen Piepsen der Küken, rechts hin zur Tür.

Du schaust nochmal kurz in das andere Hühnergehege, sammelst drei Eier ein. Sie liegen groß und zerbrechlich in deiner Hand. Auf einem hat die schwarze Henne gesessen, es fühlt sich noch ganz warm an. Kurz überlegst du, die Eier direkt ins Haus zu bringen, doch dann legst du sie in die kleine Schale draußen im Gang.

Als du die Stalltür öffnest, scheint dir die warme Sonne direkt ins Gesicht. Du lauscht kurz – der Bach rauscht, ein paar Vögel zwitschern, auf der Straße fährt ein Laster vorbei. Du folgst dem Geräusch die Ausfahrt hinauf und überquerst die Straße. Nun gelangst du auf einen kleinen Pfad, der vom Regen ganz aufgeweicht und von den Traktorrädern komplett zerwühlt ist.

Du folgst dem Pfad den Hügel hinauf und auf den Waldrand zu. Dabei achtest du darauf, möglichst wenig in Schlammlöcher zu treten. Der Boden unter deinen Füßen macht schmatzende Geräusche. Hier oben weht ein etwas stärkerer Wind. Er bläst über dein Gesicht und bringt deine Haare sanft zum tanzen.

An einer schmalen Stelle springst du über den Bachlauf und stehst im Wald. Hinter dir liegt die Wiese, darunter dein Zuhaus und das tiefblaue Meer. Der Wind rauscht in den Bäumen, irgendwo klopft ein Specht. Du hockst dich über den Boden, beobachtest Käfer, die über Baumstämme und Moos krabbeln, entdeckst ein feines Spinnennetz, das sanft im Takt der Bäume mitwippt. Die ganze Welt da draußen scheint still zu stehen. Du schließt die Augen und atmest tief die klare Luft ein.


Die Idee für diesen Post habe ich bei Icelandexploration gefunden, einem Blog über das AuPair Leben auf einer Farm in Island, auf dem ich sehr gerne mitlese. Vorbeischauen lohnt sich definitiv mal 🙂

[Bilder, Reisen] Osterurlaub #4 Trondheim 31.3.-2.4.

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[Bilder, Reisen] Osterurlaub #4 Trondheim 31.3.-2.4.

Wir verließen also am Samstag nach dem Frühstück das Boot und machten uns auf den Weg zum Airbnb. Aufgrund unseres Sparkurses und weil es eh keine allzu gute Verbindung gab, entschieden wir zu laufen. Anders als in Tromsø schneite es in Trondheim zum Glück nicht und die Wege waren schon recht weit abgetaut. Das machte es deutlich leichter! Dafür war aber auch die Strecke um einiges länger. 😆

Doch es war ein schöner Weg. Wir liefen fast die ganze Zeit am Hafen entlang und ganz kurz an der Innenstadt vorbei. So leer hab ich die Straßen noch nie gesehen! Kaum ein anderer Mensch, kein Auto weit und breit, alles war wie ausgestorben. Total gespenstisch! Es hat nur noch die Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“ und ein vorbeifliegendes Büschel vertrockneten Grases (oder von mir aus auch Algen) gefehlt.

Nachdem wir unsere letzte Unterkunft bezogen und alles ein wenig inspiriert hatten, begaben wir uns wieder auf den Weg in die Innenstadt. Samstag hatten zum Glück alle Supermärkte und einige andere größere Läden bis zum späten Nachmittag geöffnet, sodass wir Lebensmittel einkaufen und ein bisschen durch die Läden schlundern konnten. Inzwischen waren auch mehr Menschen unterwegs, jedoch noch immer deutlich weniger als gewöhnlich. Glücklicherweise hatten meine Lieblingsläden offen, sodass ich Katha und Patrick zumindest dise zeigen konnte. Doch bereits um vier machten die ersten zu, um fünf die nächsten und um sechs fand ein großes Menschenraustreiben statt. Das war dann auch unser Zeichen zum Aufbruch und wir liefen zurück zu unserer Unterkunft.

Am Sonntag schliefen wir erstmal aus und nach einem langgezogenen Brunch zeigte ich den beiden ein wenig die Stadt. Das ich mich recht gut auskenne hatte den Vorteil, dass wir nicht ewig durch die Gegend irren mussten und (wenn aufgrund der Glättesituation nötig) recht leicht ausweichen konnten. Wir liefen also zunächst ein wenig am Nidelva entlang, beobachteten dort ein paar Enten und kamen schließlich von hinten auf den Stadtteil Bakklandet zu. Wir bogen jedoch vor den schnuckeligen Häuschen ab und liefen den Berg bis zur Festung Kristiansten empor. Hier genossen wir neben der Sonne und der Aussicht auch noch ein Kvikk-Lusj, bevor wir uns wieder auf den Weg in die Innenstadt machten. Nun ging es tatsächlich nach Bakklandet und ich war ehrlich gesagt total überrascht, dass sogar ein paar Cafés geöffnet hatten (immerhin war noch Ostern und normalerweise hat in der Zeit alles zu). Von der Gamle Bybru machten wir natürlich die typischen Touribilder, bevor wir zum krönenden Anschluss zum Nidaros Dom gingen.

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Inzwischen war es auch ziemlich kalt und ich freute mich ehrlich gesagt den ganzen Rückweg wie eine Königin auf ein warmes Essen (welches natürlich zunächst erst gekocht werden musste) 😆 Abends wurde nur noch ein wenig gequatscht, doch es ging schon recht zeitig ins Bett, da Katha und Patrick bereits um kurz nach sieben zum Bus mussten.

Ich stand zwar am Montagmorgen mit den beiden auf, legte mich jedoch direkt für zwei weitere Stunden Schlaf ins Bett, sobald die Haustür zugefallen war. Die Nächte zuvor sind definitiv allesamt zu kurz gewesen!

Und dann war der Urlaub auch schon fast wieder zu Ende. Mit zugegebenermaßen ziemlich gemischten Gefühlen saß ich im Bus zurück nach Hause. Einerseits war ich ziemlich traurig darüber, dass Katha und Patrick bereits im Flugzeug nach Kopenhagen saßen und dieser so perfekt unperfekte Urlaub bereits vorbei war und ich wusste, dass ich ihre Gesellschaft ziemlich vermissen würde. Andererseits freute ich mich auch schon wieder auf die Einsamkeit auf der Farm (zumindest ein bisschen), wenn ich auch wusste, dass die Umstellung nach elf Tagen mit Freunden und Menschen um mich herum wohl ziemlich schwer sein würde. Trotzdem – ich freute mich auf die Ruhe, den Blick aus meinem Fenster, ja sogar auf meine Gastfamilie und die Arbeit. Und ich war wieder zuversichtlicher darauf, dass dieses Jahr die richtige Entscheidung gewesen ist und im großen und ganzen eine sehr positive Erfahrung sein wird. Der Abstand zu meiner Gastfamilie hat mir gut getan: das Rauskommen, auf andere Gedanken kommen, wieder ganz uneingeschränkt ich sein können, ohne mir Gedanken zu machen, wie es auf sie wirken könnte. Ja, es ist an der Zeit zurück zu kehren.

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(Dieser letzte Abschnitt ist tatsächlich größtenteils auf der Busfahrt entstanden, während mir die Sonne ins Gesicht schien und ich die letzten Tage, Wochen, Monate Revue passieren ließ)

[Bilder, Reisen] Osterurlaub in Norwegen #1 Tondheim 23.-26.3.

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[Bilder, Reisen] Osterurlaub in Norwegen #1 Tondheim 23.-26.3.

Zuerst: Ich wünsche euch allen ein frohes Ostern, wo auch immer ihr gerade seid und was ihr vor habt, ein paar entspannte freie Tage und vielleicht sogar schönes frühlingshaftes Wetter. (Ironischerweise sitze ich auf dem Sofa, während ich das schreibe und beobachte durch das Fenster, wie Trondheim in einer dicken Regenwolkensuppe versinkt. 😀 )

So wie wahrscheinlich ein Großteil der Norweger fährt auch meine Gastfamilie über die Osterzeit in påskeferie (påske = Ostern). Üblicherweise geht dieser Trip auf eine hytte in den Bergen und ist mit viiiieeel Skifahren verbunden. Diese Hytte ist (traditionell gesehen) so primitiv wie möglich und richtig schön koselig, was in ihrem Fall bedeutet, dass sie aus 2 Zimmern und einem Wohnzimmer mit Kochzeile besteht. Als Klo dient ein Eimer, Strom gibt’s nur von der Autobatterie. Meine Gastmutter gestand mir, dass sie nicht so gerne über Ostern zu der Hytte fährt, da in den Bergen natürlich noch sehr hoher Schnee liegt (um genau zu sein gerade rund 2 Meter) und sie sich an dem ewigen Weiß schon recht lange satt gesehen hat. Zudem man eben wirklich nur per Ski voran kommen kann. Doch weil es Tradition ist und die Kinder den Schnee in den Bergen so lieben, wird Ostern natürlich trotzdem dort gefeiert. Ebenso traditionell ist übrigens der „påskekrim“ und jeder waschechte nordmann muss über Ostern zumindest einen Krimi lesen. Gut, dass ich kein waschechter Norweger bin, denn Krimis kann ich nicht wirklich viel abgewinnen. Ich hab mich stattdessen für einen Fantasyroman eines Schriftstellers aus meiner Region entschieden. Zählt in meinen Augen auch fast 😂

Jedenfalls wurde mir frei gestellt, ob ich mit auf die Hytte kommen möchte oder nicht. Da meine beste Freundin und ihr Freund mich gerne besuchen wollten (und mir 8 Tage auf engstem Raum mit meiner Gastfamilie ohnehin zu viel des Guten geworden wären), entschied mich dankend dagegen und stattdessen dafür mit Katha und Patrick zu verreisen.

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Nach Wochen der Planung, Buchung und des Wartens ist es nun also endlich so weit. Also fast, denn auf die beiden treffe ich erst am Montagabend. Trotzdem bin ich genau genommen bereits seit Freitagabend im Urlaub. Nach der Arbeit nahm ich die letzte Busverbindung von der Farm nach Trondheim und 4 Stunden und zwei Umstiege später war ich dann endlich in unserem Haus angekommen. Ich verabredete mich noch für den nächsten Tag mit Mareike und Juliane, zwei AuPair-Freundinnen aus Trondheim und war eigentlich schon fast im Bett, als ich draußen ein grünliches Schimmern entdeckte.

Binnen weniger Sekunden war ich mitsamt Kamera und Pyjama auf dem Balkon und versuchte ein paar gute Bilder von den Polarlichtern über der Stadt zu bekommen. Wirklich geglückt ist es mir allerdings nicht: die Polarlichter waren zwar deutlich zu sehen und tanzten wild über den Nachthimmel, doch nach gerade einmal fünf Minuten war das ganze Schauspiel bereits vorbei und eine dichte Wolkenwand schob sich Richtung Norden.

Es ist wohl ein allbekanntes Phänomen, dass man an den Tagen, an denen man endlich mal ausschlafen könnte, bereits super früh aufwacht. Ich schaffe es lustigerweise sogar, noch früher als an meinen Arbeitstagen aufzuwachen. Anstatt also wie erhofft bis 9 Uhr im Land der Träume zu verbringen, war ich bereits um 7 putzmunter. 😀 Und das, als absoluter Morgenmuffel.

Um viertel vor zehn machte ich mich dann auf den Weg zum Ausverkaufsort der Nidar Fabrik, einem Schokoladenladen, in dem man das braune Gold nicht nur für norwegische Verhältnisse super günstig bekommt, sondern auch einiges zur Verkostung angeboten wird. Nidar gehört neben Freia zu den größten Naschereiproduzenten in Norwegen und produziert neben Schokolade in allen möglichen Formen und Geschmacksrichtungen auch Lakritze oder Naschgummis, doch hauptsächlich eben Schokolade. Ich war echt froh ausreichend gefrühstückt zu haben, denn ansonsten wäre mir wohl von dem ganzen Süßkram ziemlich übel geworden 😆

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Nachdem wir uns mit Naschereien eingedeckt hatten, liefen wir mit ein paar kleineren Umwegen in die Innenstadt, tranken Kaffee, aßen kostenlose Waffeln und schlenderten durch ein paar Läden. Abends kochten wir gemeinsam unser Abendessen, da auch Mareikes und Julianes Gastfamilien bereits im Urlaub waren und es gemeinsam einfach viel kuscheliger und gemütlicher ist. Nachts versuchten wir unser Glück nochmal Polarlichter zu sehen, doch es war viel zu bewölkt um irgendetwas erkennen zu können.

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Sonntag konnte ich aus erster Reihe beobachten, wie sich eine dicke Regenwand über Trondheim schob – und dort erstmal den ganzen Vormittag bis Abend blieb. Die Motivation zum Rausgehen war entsprechend des abwechselnden Schnee-Hagel-Regens draußen gleich null, doch das war auch okay, so konnte ich den Morgen zum entspannen nutzen.

Doch am frühen Nachmittag kamen Mareike und Juliane, noch immer hing eine dicke Wolkendecke über der Stadt. Unser Plan zumindest an dem Abend Polarlichter zu sehen schien somit gefährlich ins Wanken zu geraten.

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Nach unserem provisorischen Gequatsche bereiteten wir einen Hefeteig vor, mit der Intention Ostergebäcke zu backen, um zumindest ein wenig heimliches Gefühl zu bekommen. Es war definitiv lustig und chaotisch, doch schließlich gab es Osterkränzchen und Zöpfe, gefüllt mit Nutella, Marmelade und ganz klassisch ohne alles – leeeecker 😍

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Und nachts – wie von Zauberhand – verschwanden alle Wolken. Doch wirklich zu sehen war draußen nichts. Dennoch gingen wir auf den Balkon und plötzlich bot sich uns ein totales Farbenschauspiel, direkt über der Stadt und dem Nidaros. Die Lichter tanzten und pulsierten am Himmel.

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Montag gönnte ich es mir schön lange auszuschlafen, bevor ich meine sieben Sachen zusammen packte und mich mitsamt meines 14kg schweren Backpacks in die Stadt machte. Mein Rücken jubelierte. Und wenige Stunden später traf ich am Flughafen auf Katha und Patrick und wir flogen gemeinsam nach Tromsø. Doch das ist eine andere Geschichte.

[Bilder, Gedanken] Monatsupdate #6 – Die ersten Frühlingsgefühle

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[Bilder, Gedanken] Monatsupdate #6 – Die ersten Frühlingsgefühle

Ein ganzes halbes Jahr – so lange bin ich schon in Norwegen. Und auch wenn ich Jojo Moyes Buch nie gelesen habe, vermute ich, dass es insgesamt spannender ist, als meine bisherigen Erlebnisse hier 😀 Eigentlich könnte auch dieser Monat unter dem gleichen Titel wie der letzte veröffentlicht werden. Doch halt, ein paar Kleinigkeiten sind schon passiert – wenn auch nichts weltbewegendes (Aber Kleinvieh macht auch Mist)

Der Stall (ja, er bekommt einen extra Absatz) ist endlich, endlich, endlich fertig. Nach insgesamt 5 1/2 Monaten und 3 Monate später als geplant. Die Kühe haben Einzugsrecht erhalten – und jetzt kommt die bittersüße Ironie: sie mögen den Stall nicht. Vielleicht habe ich es schon Mal erwähnt, vielleicht auch nicht. Bei den Tieren handelt es sich um Galloway Rinder (genauer gesagt um Black Belted Galloways), welche ziemlich wetterresitent sind und – zumindest bei uns – eigentlich das ganze Jahr draußen stehen. Dadurch wiederum handelt es sich um Kühe, die wild sind und ihre Freiheiten schätzen (und sie sind sehr misstrauisch gegenüber Menschen – doch das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass meistens mehrere von ihnen auf Nimmerwiedersehen verschwin… Aber ich schweife ab.) Jedenfalls klagen meine Gasteltern nun darüber, dass die Tiere zwar im Stall fressen, danach jedoch so schnell wie möglich wieder in die Weiten ihrer Weide entschwinden. Trotzdem: er – ist – fertig! Wobei, fertig ist auch relativ. Der Boden rund herum muss noch begradigt werden, aber das geht erst im Frühjahr, denn momentan ist hier alles noch tiefgefroren, das Silo fehlt noch, aber auch das kann erst nach Enttauen des Bodens aufgestellt werden und hier und da fallen immer wieder größere und kleinere Kleinigkeiten auf, die noch erledigt werden müssen. Aber ich bleibe dabei: Er ist vollbracht.

 

 

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Über das Thema „gefrorener Boden“ leite ich nun galant über zum Wetter. Das gehört ja inzwischen ebenso in meine Updates, wie mein ewiges Palaver. Während in den meisten Teilen Deutschlands bereits der Frühling an der Tagesordnung zu seien scheint, liegt hier noch fast flächendeckend Schnee. An der einen oder anderen Stelle lugt ein kleines Fitzelchen braunes Gras hindurch, doch ansonsten bestimmt noch ein schier undurchdringliches Weiß das Gesamtbild. Doch da es tagsüber zumindest um die Null Grad wird und die Sonne scheint, beginnen die obersten Schichten des Schnees zu schmelzen – und gefrieren wieder, sobald die Sonne weg ist. Auf den Wegen könnte man problemlos wilde Schlittschuhrennen veranstalten und ich behaupte, man käme so um einiges angenehmer und ungefährlicher als auf normalen Schuhen voran. Eigentlich sollte es diese Woche wärmer werden, doch am Montag begann es, trotz versprochener acht Plusgrade, wieder zu schneien.

 

 

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Bei unserer Fensterbank in der Küche handelt es sich seit Wochen eher um eine Aufzuchtsstation junger Pflänzchen. Im letzten Herbst haben wir ein Gewächshaus im Garten aufgebaut, welches nun auf seinen Gebrauch wartet. Aber auch der scheitert mal wieder an den kalten Temperaturen (gerade nachts werden es gerne nochmal unter -10 °C). Jedenfalls tummelt sich unter zwei Aufzuchtslampen alles mögliche von Artischocke bis Zucchini und verdrängt nach und nach alles, was eigentlich Gewohnheitsrecht im Fenster gehabt hätte. Ich kam auf die Idee, ein paar der getrockneten Kichererbsen zu pflanzen und zur Überraschung von meiner Gastmutter und mir entwickeln sie sich ziemlich gut (dazu sollte man vielleicht sagen, dass es sich um recht alte Kichererbsen handelte und wir eigentlich dachten, dass sie nicht mehr genügend Power zum Wachsen hätten).

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Dennoch: man merkt, dass der Frühling kommt. Das erste Huhn hat vor zwei Tagen begonnen Eier zu legen und ich hoffe inständig, dass sich die anderen ein Beispiel an ihm nehmen. Und auch die anderen Vögelchen sind bereits in bester Laune, fliegen lustig umher und zwitschern aufgeregt ihre Lieder. Nun muss nur noch der Schnee verschwinden.

 

 

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Wie gewohnt alle Bilder im Kleinformat

[Gedanken] Halbzeit

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Irgendwie ein komischer Gedanke: Halbzeit.

Einerseits macht es mich momentan etwas besorgt, wenn ich daran denke, dass nochmal die exakt gleiche Zeit vor mir liegt, die ich gerade erst geschafft habe. Aber diese Sorgen liegen wohl einfach nur an ein paar aktuellen Baustellen in der Gastfamililie, dem gefühlt ewig langen Winter mit Eis und Schnee und daran, dass ich kaum vom Haus weg komme und hier langsam aber sicher nen Lagerkoller kriege…

Und andererseits kann ich es gar nicht glauben, dass schon die Hälfte der Zeit um sein soll. Gerade die letzten Wochen seit Silvester waren zogen wie im Fluge vorbei: kaum war der Montag geschafft, saß ich Sonntagabend schon wieder im Bett und fragte mich, wo die letzte Woche geblieben ist.

Allzu viel mehr mag ich gerade nicht schreiben. Eigentlich sollte ich auch schon längst schlafen 😂 In diesem Sinne: Gute Nacht 😉

Monatsupdate 4 – Die Feiertage und andere Gründe zum Freuen

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Monatsupdate 4 – Die Feiertage und andere Gründe zum Freuen

Pünktlichkeit ist eine Zier, doch es geht auch ohne ihr. Oder so. Jedenfalls kommt dieser Beitrag mal wieder ein paar Tage zu spät 😀

Ich werde jetzt einfach dort fortfahren, wo ich in meinem letzten Beitrag aufgehört habe, damit ihr zumindest erfahrt, wie es mir ergangen ist. Im Anschluss werde ich wieder wie gewohnt kategorienweise schreiben. (Wer die Geschehnisse nicht mehr ganz im Kopf hat, kann einfach den letzten Abschnitt des 3. Monatsupdates lesen, um wieder auf den Stand der Dinge zu kommen.

Nachdem ich mich am 20.12. mit meiner Freundin auf einen Kaffee getroffen habe und ich im Anschluss noch ein letztes Mal über den Weihnachtsmarkt und durch die Läden geschlendert bin, machte ich mich also auf den Weg nach Hause. Dort abends angekommen fiel ich eigentlich nur noch ins Bett und schlief, und schlief, und schlief. Jetzt kommen wir zu dem Konflikt, den ich im letzten Beitrag bereits angedeutet hatte. Ich schlief nämlich aus, denkend, dass ich den 21. frei bekäme. Diese Annahme ist dadurch entstanden, dass meine Gasteltern mir gesagt hatten, dass ich nach den zwei Weihnachtsmarktwochen ein paar Tage frei bekommen solle, um die geleisteten Überstunden auszugleichen.

  • Was ich darunter verstand war: Die Tage direkt nach der Weihnachtszeit hätte ich frei.
  • Was meine Gasteltern gemeint hatten: Ich bekomme die Tage irgendwann später frei.
  • Was daraus entstand: Ziemlich großes Konfliktpotential.

Als ich also in die Küche kam, fragte meine Gastmutter ziemlich wütend, was mir den einfallen würde und wie ich denken könne, dass ich ausschlafen darf. Meine Überraschung ist vermutlich nachvollziehbar, denn ich war ja der festen Überzeugung gewesen die Tage vor Weihnachten frei zu haben. In einem kurzen Gespräch hab ich versucht zu erklären, dass es ein Missverständnis gegeben hat, aber ich hatte nicht wirklich das Gefühl, als wolle sie es recht verstehen. Den ganzen Tag war ich wie in Nebel gepackt und wusste nicht so recht, was ich machen solle. Ich entschied mich, einen Brief zu schreiben und ihn vor dem Schlafen gehen hinzulegen. Kurz zusammengefasst erklärte ich auf 2 1/2 Seiten, dass ich denke, dass es insgesamt ein Kommunikationsproblem untereinander gibt und dadurch viele der Missverständnisse entstanden sind.

Am nächsten Morgen war der Brief weg und die Stimmung war deutlich weniger angespannt als am Vortag, auch wenn sie noch nicht wieder komplett normal war. Ich machte mir ehrlich gesagt totale Sorgen, dass Weihnachten durch diese Geschehnisse total komisch werden könnte und ich direkt nach den Feiertagen raus geworfen würde, aber zum Glück hat es sich nicht so verhalten.

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Nach dieser (sehr kurz zusammengefassten) Erläuterung der Geschehnisse nach dem größten Konflikt, den ich bisher in meiner Gastfamilie hatte, komme ich nun zu erfreulicheren Dingen. Nämlich den Weihnachtsfeiertagen. Allzu sehr werde ich darauf an dieser Stelle nicht eingehen, denn ich plane noch einen separaten Beitrag zum Fest zu schreiben. Nur so viel schon vorab: Es war definitiv anders, als die Weihnachten, die ich von Zuhause kenne. Sowohl von der Dekoration, als auch vom Essen und ein paar anderen Traditionen. Aber für mehr Informationen müsst ihr euch noch ein wenig gedulden. Ebenso verhält es sich mit Silvester, denn auch hierzu wird es einen extra Beitrag geben. Nur  so viel vorab: Neujahr habe ich nicht auf der Farm verbracht, sondern mit zwei Freundinnen in Ålesund, einer kleinen aber sehr süßen Stadt in der  Møre og Romsdal Region.

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Anfang Januar sprach ich mit meiner Gastfamilie über mögliche Urlaubstage im neuen Jahr, womit der Planungsstress begann, der mich in den letzten Tagen um so manche Stunden Schlaf gebracht hat. Über Ostern kommt eine Freundin mit ihrem Freund und wir werden uns für ein paar Tage auf Kreuzfahrt (natürlich All Inclusive :-D) machen. Zwischen April und Mai kommt mein Brüderlein, was wir machen steht jedoch noch nicht fest und im Juli – ja. Da bin ich plötzlich schon fertig. Halbzeit in drei Wochen (Komisches Gefühl, das zu schreiben…) Aber: Ihr dürft euch definitiv auf viele schöne Bilder und die eine oder andere Anekdote freuen.

Der 16. Januar war für mich persönlich ein kleiner Feiertag, denn das erste Mal seit Monaten hat die Sonne ihren Weg über die Berge geschafft. Momentan merkt man von Tag zu Tag, dass es länger hell ist und das wiederum wirkt sich sehr positiv auf alles aus: die Stimmung, die Arbeitsmotivation, die Müdigkeit. Auch wenn ich es schon ein paar Mal erwähnt habe, mir kommt es vor, als könne man es gar nicht oft genug sagen: SONNE IST WICHTIG! Für mich persönlich ist es eine teilweise sehr grenzwertige Erfahrung gewesen wochenlang die Sonne nicht auf der Haut zu spüren und wenn überhaupt nur indirektes, kaltes Licht zu haben. Zwar wurde es durch den Schnee leichter, denn er fing das schwache Licht ein und gab es viel stärker wieder und ließ es länger hell erscheinen, doch nur in einem kalt-blauen Licht. Und doch graust es mir schon jetzt vor der Sommerzeit, in der die Sonne gar nicht untergeht, beziehungsweise zwar untergeht, es jedoch nie richtig dunkel wird. In dieser Zeit werde ich definitiv die Sterne vermissen, denn wenn es jetzt eine klare Nacht gibt und ich nicht einschlafen kann, schaue ich stundenlang in den Nachthimmel mit seinen tausenden und abertausenden von Sternen.

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Was gibt es ansonsten neues auf der Farm? Ein Huhn weniger und dafür einen Hahn mehr. Und viele kleine Babyziegen. Es ist zu herzerwärmend den kleinen Wesen beim Spielen und Herumtollen zuzusehen und ihr weiches weißes Fell zu berühren. Das denkt mein Gastkind auch, doch sie ist nicht allzu behutsam im Umgang mit den kleinen Wesen und wenn wir gemeinsam im Stall sind, bin ich immer hin und her gerissen zwischen der Angst, dass sie einem Zicklien weh tut und eine große Ziege sie umwirft 😀 Ansonsten wohnt gerade wieder einer der Männer hier, die vor Weihnachten beim Bau des Stalles geholfen haben und hilft nun bei den letzten Arbeiten. Manchmal kommt es dadurch zu recht lustigen Gesprächen, aber insgesamt sehe ich ihn eigentlich nur zum Lunch und Abendessen.

Mit der Sprache klappt es inzwischen auch immer besser. Wichtige Dinge werden nach wie vor auf Englisch besprochen, aber Nachrichten untereinander werden auf norwegisch geschrieben, kurze Telefonate werden auf norwegisch gehalten und auch sonst gebe ich mein bestes, mich nicht in meine sprachliche Komfortzone Englisch zu flüchten. Ich bemühe mich alles auf norwegisch zu googeln, lese norwegische Bücher, hab die komplette Reiseplanung für Ostern auf norwegisch gemacht. Gehe weiterhin einmal die Woche zur Sprachschule, arbeite die Hausaufgaben und Übungen, die ich in den restlichen Stundenwochen verpasst habe vor und nach und melde mich im Unterricht so oft wie möglich zu Wort. Eine richtige Vorzeigeschülerin. *Hust* Manchmal gehe ich zu der alten Dame, die in dem Haus am anderen Ende der Auffahrt lebt und unterhalte mich mit ihr für ein paar Stunden. Und das geht nur komplett auf norwegisch, da sie kein englisch spricht. Aber genau solche Gespräche helfen nun mal am meisten: Raus aus der Komfortzone und rein ins Unbekannte 😉 Ansonsten meinte meine Gastmutter neulich, dass sich mein Norwegisch nach dem Dialekt  von einem Ort etwa drei Stunden nördlich von Trondheim anhöre. Blöd nur, dass wir drei Stunden südlich von Trondheim leben 😀 Aber sie versicherte mir zwei weitere Dinge: 1. wäre es ziemlich schwer diesen Dialekt nachzumachen und 2. würde ich mich nicht deutsch anhören. Wenigstens etwas 😆

Am 11.1. musste ich für ein paar Behördenwege nach Kristiansund fahren und auch wenn mir meine Gastfamilie versicherte, Kristiansund sei keine so schöne Stadt, gefiel es mir eigentlich sehr gut. Auch die Fahrt nach Kristiansund an sich fand ich sehr beeindruckend. Rein Landschaftlich. Es war mal wieder eine Strecke, die wirklich Spaß zum Fahren machte: viele Kurven, wenig Verkehr, gute Straße. In Kristiansund an sich konnte ich jedoch nicht allzu viel machen, da ich mich erst kurz zuvor ziemlich ungünstig aufs Eis gelegt  hatte und das längere Laufen ziemlich weh tat.

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Eine kleine Anekdote zum Schluss – sie betrifft den wunderbaren Van, zu dem ich eine innige Hassliebe hege: Letzten Donnerstag entschied die Autobatterie mal wieder den Geist aufzugeben. Und weil mir nicht sofort jemand helfen  konnte und es keine Busverbindung nach Hause gibt, hab ich 5 Stunden in der Bücherei und 2 mit rumlaufen verbracht. Bei kuscheligen -12 Grad und Klamotten, die definitiv nicht dick genug waren. Als ich so in der Bücherei saß, die ersten beiden 50ct. Instantkaffees intus hatte und mit dem ersten Reiseführer fertig war, kam ein Mann aus der Sprachschule in die Bücherei, sah mich und fragte „Was macht du hier?“
„Ich lese im Reiseführer“
„Wolltest du heute nicht in die Stadt fahren?“
„Doch, aber das Auto springt nicht an.“
Er fängt an zu lachen „Schon wieder?“
„Ja…“
„Hast du wieder das Licht an gelassen?“
„Nein, dieses Mal nicht.“ 😀
Als schließlich endlich meine Gasteltern zur Rettung kamen, haben zunächst meine Gastmutter und ich den Bus den Berg runter geschoben, während mein Gastvater den Motor von Innen startete. Danach kam er mit dem Wagen wieder den Berg hoch gefahren und stellte sich genau vor drei andere Autos, meine Gastmutter rief mir zu, sie warte noch auf den Sohn fahre später mit dem anderen Auto heim und lief in den Supermarkt. Mein Gastvater sprang aus dem Wagen, ließ die Türe offen und rannte ihr hinterher. Ich war komplett verwirrt und wusste nicht, ob er mit ihr wartet (was eigentlich keinen Sinn gemacht hätte) und stand wie bestellt und nicht abgeholt neben dem Wagen und beobachte, wie er durch den Laden tigerte. Da kam ein Mann aus dem Supermarkt und gab mir zu verstehen, dass der Bus sein Auto zustellt. Ich stieg also ein, um es umzuparken. Durch das Fenster sah ich, wie mein Gastvter an der Kasse panisch wurde und raus gehetzt kam und auf dem Eis – mit Coffee to go in der einen und nem packen Bier in der anderen Hand – beinahe ausrutschte. Er lief zur Fahrertür, öffnete sie und sagte „Ich fahre“ (Beziehungsweise „Jeg kjører“) und ich fragte ihn, nachdem wir schon eine Weile gefahren sind, ob ich seine Kaffeetasse halten darf, um meine Finger zu enttauen  Seine erste Amtshandlung zuhause war, die Autobatterie an den Strom zu hängen wieder voll aufzuladen.

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Weihnachtsbaum nach dem Abschmücken. Ich hab noch tagelang Nadeln aus meinen Haaren gefischt.

 Wie gehabt – alle Bilder in der Übersicht

[Alltag, Bilder] Monatsupdate #3 – Von Chaos, Frustration und noch mehr Chaos

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[Alltag, Bilder] Monatsupdate #3 – Von Chaos, Frustration und noch mehr Chaos

Inzwischen ist mein dreimonatiges schon fast einen Monat her, aber die letzten 5 Wochen waren einfach so chaotisch verrückt und anstrengend, dass ich einfach nicht zum Schreiben gekommen bin. Für diesen Monat werde ich den Bericht nicht in einzelne Themenbereiche einteilen, sondern chronologisch schreiben. Alles andere würde zu sehr verwirren. Ich hoffe, dass ich selber nichts verdrehe, da es wirklich ziemlich viel war und ich teilweise selber gar nicht mehr genau weiß, was alles passiert ist. Deswegen liegt mein Handy mit WhatsApp neben mir – denn ein paar Dinge sind auch so schon mal von mir nach außen getragen worden 😆

Kleine Vorbemerkung: Ein Wochenblock geht von Samstag – Freitag

Woche 1 Monat 3 (18.-24.11.)
Am Sonntag fuhr ich zu einer Julemesse in die Kommune. Wirklich etwas gekauft habe ich nicht, was aber auch einfach daran lag, dass es für meinen Geschmack viel zu überfüllt gewesen ist. Anschließend bin ich noch gut zwei Stunden spazieren gegangen – durch dickste Schneeflocken, die dick und schwer vom Himmel fielen. Irgendwann landete ich im Nirgendwo – direkt an einer Steilklippe und laut Google Maps fast einen Kilometer vom nächsten Weg entfernt. Upsi 😀 Das Gute war: ich konnte einfach meinen Fußspuren zurück folgen 😆

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Sonntags ist außerdem die Mutter meiner Gastmutter gekommen. Das hat für mich erstmal extrem, extrem, extrem viel Stress und auch Frustration bedeutet. Es gab scheinbar ein Missverständnis zwischen meinen Gasteltern und mir darüber, wie die Zeit ablaufen sollte. Gesagt wurde mir, dass sie kommt, um beim Bau des Stalls zu helfen. Daraus habe ich geschlossen, dass sie die meiste Zeit mit meinen Gasteltern draußen verbringen wird, vielleicht ein paar Wege erledigt und mich ihre Anwesenheit während meiner Arbeitszeit ansonsten nicht weiter beeinflusst. Tja, weit gefehlt. Es hat sich herausgestellt, dass sie hauptsächlich kommt, um nach den Kindern zu sehen und das Haus „weihnachtsfein“ zu machen. Dadurch war sie gerade in der ersten Woche eigentlich ständig daheim und hat jede bereits entstandene Routine zerstört. Meine Arbeitszeiten wurden ständig umgeworfen, teilweise sollte ich Aufgaben machen, die nicht in meinen Aufgabenbereich fielen und es war insgesamt einfach nur übermäßig stressig für mich. Es gab einige Diskussionen und kleinere Konflikte und ich stand dauerhaft unter Strom. Das wiederum hat sich natürlich total auf meine Stimmung und Motivation ausgewirkt.

Am Donnerstag kamen drei Männer (2x aus Litauen, 1x aus der Ukraine), die meinen Gasteltern beim Bau des Stalles halfen. Das wiederum hat zumindest meine Stimmung an den Abenden ein wenig aufgeheitert, weil ein wenig frische Luft in die für mich unschöne Stimmung kam. Außerdem war es am Tisch immer sehr witzig den Unterhaltungen zu folgen, es wurden nämlich sage und schreibe bis zu 5 Sprachen mehr oder weniger parallel zueinander gesprochen:

  • Englisch zwischen allen
  • Norwegisch zwischen meiner Gastfamillie, mir und einem der Männer aus Litauen (wobei davon Dialekt in meiner Gastfamilie gesprochen wurde und bokmål mit mir und dem einen Mann aus Litauen)
  • Russisch zwischen den Männern aus Litauen und dem Ukrainer
  • Litauisch zwischen den beiden Männern aus Litauen
  • Deutsch zwischen mir und dem einen Mann aus Litauen

Und da soll man bitte schön nicht den Überblick verlieren mit wem man wie sprechen soll. Manchmal sprach mich der eine Litauer auf deutsch an und ich antwortete auf norwegisch, manchmal versuchte ich deutsch mit meiner Gastfamilie zu reden, manchmal wurde ich auf russisch angesprochen, oft wurde einfach norwegisch mit allen geredet, egal ob derjenige die Sprache kennt oder nicht. Es war definitiv chaotisch und lustig 😀

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Traditionell norwegisches Essen: Rømmegrøt – Sauresahnebrei

Woche 2 Monat 3 (25.11.-1.12.)
Auch in dieser Woche war die Großmutter noch da, ebenso wie die drei Männer. Der Drang der Oma aufs Erbrechen Zeit mit der Kleinen zu verbringen schien jedoch langsam nachzulassen und ich konnte wieder einigermaßen arbeiten. Es blieb nach wie vor nervig und stressig, aber nicht mehr ganz so extrem. Während die Männer bis Samstagabend blieben, fuhr die Großmutter bereits am Morgen.

Dieser Tag war aber insgesamt verrückt: frühs bin ich schon um 7 aufgestanden (die Tage zuvor habe ich erst mittags angefangen zu arbeiten und konnte dadurch immer ausschlafen) und die Oma schaute mich ziemlich geschockt an und fragte, ob ich krank sei. Aber ich hatte nur Sprachschule. Jedoch musste ich schon zwei Stunden früher los als gewöhnlich , denn ich bin mal wieder in einen neuen Kurs gekommen. Dort war eine Frau war total fasziniert von meinen Haaren. Sie hat also eine Sträne angefasst, ohne zuvor gefragt zu haben und weil ich eher schreckhaft bei unerwarteten Berührungen bin, hab ich halblaut aufgeschrien und alle haben mich etwas schief angestarrt. Ich wurde etwa so rot wie eine Tomate und sie hat einfach nur gelacht. Außerdem hab ich es geschafft, die Batterie vom Auto leer zu bekommen, da ich das Licht nicht ausgeschaltet habe. Ich rief also meine Gastmutter an und zwei Stunden später kamen sie und einer der Ukrainer zum Helfen. Ich wiederum fand mich plötzlich in einer Gruppe Flüchtlinge wieder, die wissen wollten, warum ich nicht im (alten) Kurs war und mich leicht wegen des Autos ausgelacht haben. Auf dem Weg zurück war dann die Straße abgesperrt und plötzlich gab es einen Knall und Steinbrocken flogen durch die Luft. Sprengungsarbeiten. Ich musste also noch knapp zwanzig Minuten warten, bis alles wieder freigegeben war. 😆

Ansonsten war diese Woche ziemlich ähnlich wie die vorherige: viel Stress, da es nicht im Entferntesten den Hauch einer Routine gab und relativ viel Frustration meinerseits. Jedoch sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Anwesenheit der Oma auch ein gutes hatte: Sie ist eine eher strenge Persönlichkeit und hat meine Fehler beim Sprechen gnadenlos korrigiert, wodurch ich mich in den paar Tagen gefühlt ziemlich verbessert habe.

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Woche 3 Monat 3 (2.-8.12.)
Die ersten Tage dieser Woche (also bis einschließlich zum 6.12.) waren endlich mal wieder ganz normal und weniger stressig für mich. Am 7.12. fuhren meine Gastmutter, die Kleine und ich früh morgens nach Trondheim, da meine Gasteltern auf dem Weihnachtsmarkt verkauften. Im Klartext bedeutete das für mich: jeden Tag für 13 Tage von 10-8 durcharbeiten. Ganz toll. Und so entspannend nach diesen stressigen zwei vorherigen Wochen! Nein, die Tatsache, dass ich so lange Tage arbeiten sollte, wusste ich bereits länger und es war von daher okay, es gab trotzdem (mal wieder) ein Missverständnis, das mich im ersten Moment ziemlich frustrierte. Was mir nämlich am Anfang anders gesagt wurde war, dass ich zwischendurch zumindest einen Tag am Wochenende frei bekommen würde, aber das stellte sich wie gesagt mal wieder als Missverständnis heraus. Trotzdem war es im Endeffekt für mich okay so viel zu arbeiten und ich freute mich insgeheim auch ein wenig auf den Szenenwechsel.

Die ersten beiden Tage verliefen relativ gut, anstrengend, aber soweit okay. Das erste Mal seit zwei Wochen schien mir die Sonne ins Gesicht und das Wetter war eigentlich ziemlich schön. Am Donnerstag war ich noch mit meiner Gastmutter und der Kleinen einkaufen, und durch die größeren Supermärkte gab es auch einige speziellere Sachen für mich (okay, hauptsächlich meine ich damit Tofu 😆 ) Außerdem habe ich am Samstag noch drei kleine Christstollen gebacken, die seither durchziehen dürfen.

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Hello Sun, my dear old friend ☺

Woche 4 Monat 3 (9.12.-16.12.)
Übers Wochenende kamen die beiden Großen, wobei ich sie nicht wirklich viel gesehen habe, da sie die Tage mit ihrem Vater verbrachten und eigentlich nur abends und morgens ein paar Stunden da waren. Am Sonntag begann der Weihnachtsmarkt erst am frühen Nachmittag, wodurch ich den Morgen zum durch die Gegend laufen und Bilder machen nutzte. Eigentlich ging ich nur zur Kristiansten Festning in Trondheim und genoss hier den Sonnenaufgang – um kurz nach 11 😀

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Am Montag stand plötzlich wieder die Großmutter vor der Tür, um meiner Gastmutter auf dem Weihnachtsmarkt zu helfen. Ehrlich gesagt war ich davon aus zwei Gründen ziemlich genervt: 1. wusste ich davon nichts und war einfach komplett überrumpelt, als sie plötzlich in der Tür stand und 2. musste ich mich dauerhaft von dem Gedanken an ein ordentliches Bett verabschieden und auf einer dünnen Matzratze schlafen. Mein Rücken ist not amused.

Die Arbeitstage waren ansonsten ziemlich auslaugend und anstrengend. Wenn immer möglich packte ich die Kleine in den Kinderwagen und ging ein wenig mit ihr spazieren, was jedoch an zwei Tagen aufrund der Kälte erst gar nicht möglich war und an einem Tag bereits an der Eisschicht der Einfahrt scheiterte. Oh, und eines morgens war plötzlich die Glasfassung meiner Brille gebrochen. Jetzt ist sie mit Sekundenkleber geflickt 😆

An einem Abend traf ich mich nach der Arbeit mit einer Freundin in der Stadt und lief ein wenig mit ihr umher, ansonsten klappte es in dieser Woche gar nicht mich mit anderen Mädels zu treffen.

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Blick von der Gamle Bybru (alte Stadtbrücke) bei Nacht

Woche 5 Monat 3 und die ersten Tage von Monat 4 (17.-20.12.)
Samstag verbrachte ich fast den ganzen Nachmittag mit der Kleinen in der Stadt. Es war fürchterlich überfüllt und durch den ganzen Neuschnee war es ziiieemlich anstrengend, den Kinderwagen zu schieben. Aber wir hatten eine ziemlich schöne Zeit. Sie fand es toll die ganzen Leute zu beobachten und schmetterte ziemlich vielen ein glückliches „Hei!“ entgegen. Nach knapp über vier Stunden reichte es ihr jedoch auch komplett und sie wurde total quengelig. Mir sollte das Recht sein, denn ich hatte alle meine Besorgungen beendet und war eigentlich auch bereit zum nach Hause gehen. Jedoch war ich naiv genug laufen zu wollen und sagen wir es mal so: der Weg nach Hause war lang und steil und vereist. Sie hat ihr schnaufendes und fluchendes AuPair mit „Huuuuiiiii“, „Aiaiaiaiaiiiiii“ und „Brrrrrrrrm“ Rufen angefeuert.

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Sonntagfrüh begann ich wieder etwas später zu arbeiten und traf mich mit zwei Freundinnen aus Trondheim und einem anderen Au Pair, das auf der Durchreise war, in der Stadt. Es war recht schön und tat sooo unfassbar gut mit den anderen Zeit zu verbringen.

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So langsam merkte ich ziemlich deutlich, dass mir die Zeit für mich selber ziemlich fehlte und auch mein Reizbarkeitslevel deutlich gesunken war. Am letzten Tag in Trondheim wurde ich abends mit einer ordentlichen Migräne belohnt, wodurch wir entschieden, dass ich am nächsten Tag, also dem 20.12., nachkommen sollte. Mir persönlich passte das eigentlich recht gut, da ich mich so noch kurz und ein letztes Mal mit einer Freundin in der Stadt treffen konnte, bevor es zurück auf die Farm ging.


Ich muss insgesamt zu dem dritten Monat sagen, dass er extrem anstrengend und auslaugend für mich war. Es kam zu einigen Konflikten zwischen mir und meiner Gastfamilie, die in den nächsten Tagen noch besprochen werden müssen und aktuell bin ich mir nicht ganz sicher, wie es hier weiter geht. Ich fühle mich grundsätzlich schon noch wohl in der Gastfamilie und bereue es auch nicht bei ihnen zu sein, aber es gab beidseitig einige Missverständnisse und Probleme, weshalb ich gerade etwas unsicher bin, wie es weiter gehen wird.

Ich wünsche allen Menschen da draußen die es durchgehalten haben bis hierher zu lesen ein wundervolles und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr! God Jul og et godt nytt år ♥

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[Bilder, Reisen] AuPair Treffen in Bergen

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Am letzten Wochenende wurde von der Agentur ein Treffen organisiert, zu dem alle Mädels, die mit ihnen auf irgendeine Art und Weise insind eingeladen waren. Gerade für mich war dieses Treffen besonders interessant, denn ich habe ja keine andere Person in der Nähe: die nächsten (deutschen) Mädels wohnen in Trondheim und damit gute 3 Stunden entfernt von mir.

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Der eigentliche Plan war, dass meine Gasteltern am Wochenende zu einem Wochenendmarkt nach Trondheim fahren und ich dann eben von dort aus fliege. Allerdings stellte sich Donnerstagabend heraus, dass daraus nichts wird, denn die Frau, die sich normalerweise in der Zeit um die Tiere kümmert, konnte dieses Wochenende nicht. Und so kam es, dass mir Donnerstagabend noch schnell die Strecke gezeigt wurde, ich mich am Freitagmorgen hinter dem Steuer des etwa 25 Jahre alten Mitsubishi L300 Vans wiederfand – einem Auto, in dem ich zuvor noch nie gesessen habe – und mich auf der Fahrt zum Flughafen befand.

Doch sowohl das Auto als auch ich sind heil am Sandfærhus angekommen. Dem Parkplatz, auf dem ich das Auto für die 3 Tage lassen sollte. Laut meiner Gastmum sollte das die günstigste Möglichkeit sein, später fand ich jedoch heraus, dass es auch einen günstigeren Parkplatz gegeben hätte. Anders als ich bei dem Namen „hus“ (also Haus) erwartet hätte, handelte es sich beim Sandfærhus jedoch nicht um ein Parkhaus, sondern um einen großen Parkplatz. Ein Mann kam auf mich zu, nahm meine Rückkehrdaten auf, mir den Schlüssel ab und fuhr mich zum Flughafen. Das alles ging so schnell, dass ich total vergaß zu fragen, wie ich denn den Wagen zurück bekommen würde. Öhm… Ups 😅 Doch ich vertraute einfach darauf, dass keiner Interesse an so einem alten Auto haben würde und es sich von daher auch nicht lohnt es zu klauen 😂

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Als ich ein paar Stunden später in Bergen landete, war der Himmel wolkenverhangen. Doch zumindestens regnete es nicht. Meine Gastmutter hatte mir bereits im Voraus gesagt, dass Bergen eine der verregnetsten Städte sei und sie dort noch nie Sonne erlebt hätte. Dementsprechend nass waren auch meine Erwartungen. Ich stieg also in die Byban, um vom Flughafen in die Stadt zu gelangen, wo ich mich mit Saskia die ich über unsere Blogs kennengelernt habe, traf.

Bergens berühmte Häuserreihe: Bryggen

Bergen berühmteste Häuserreihe: Bryggen

Wir liefen ein wenig in der Stadt und Bryggen umher, bevor wir es uns mit einem Cappuccino bequem machten und einfach nur quatschten. Ganz ehrlich – so was hat mir total gefehlt 😂 Nachdem wir uns verabschiedet haben und ich mir ein typisch provisorisch günstiges Hostelessen gekocht habe, stieß ich auf ein paar andere Mädels der Agentur, mit denen ich bis nachts herumsaß und quatschte.

Am nächsten Morgen war ich nach einer ziemlich schlaflosen Nacht komplett gerädert. Schlaflos nicht, weil ich zu spät ins Bett bin, sondern weil 2 Leute auf meinem 4er Zimmer so dermaßen laut und pausenlos um die Wette geschnarcht haben, dass es nun keinen Baum mehr rund ums Hostel geben kann. Ehrlich – das war nicht mehr normal! Ich hätte die beiden am liebsten aus dem Fenster geworfen.

Doch die Sonne schien zum Fenster hinein (wir erinnern uns – Bergen + Sonne = quasi ein Ding der Unmöglichkeit) und zumindest das munterte meine müde Stimmung etwas auf. Eine kurze Zeit später befand ich mich mit 5 anderen Mädels (3 davon aus Trondheim und dadurch quasi „nebenan“ von mir) auf einem Boot. Wir haben entschieden eine Fjordtour zu machen, bevor es mit dem eigentlichen Programm los geht. Es war sonnig und schön und – scheißkalt 😂 Das Boot fuhr unglaublich schnell und wenn man so wie wir ziemlich lange draußen auf der Reling steht, wo der Hauptfahrtwind vorbei schießt, frieren einem ziemlich die Hände. Und die Ohren. Und die Beine. Und einfach alles 😂 Aber das war es so was von wert!

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Das Wasser war fast komplett ruhig und dadurch haben sich sowohl die Berge, Wasserfälle, Wolken und Häuser perfekt im Meer gespiegelt. So perfekt habe ich es bisher wirklich noch nie gesehen. Hier und da war ein kleines Dörfchen und ein paar Männe arbeiteten. Wenn man die Stromleitungen ignorierte, wirkte die Szene teilweise wie aus einem Film der Vergangenheit entsprungen. Als wäre die Zeit stehen geblieben und das Leben noch ein anderes. Härter, einfacher, glücklicher. Am Ende der Fahrt wurde etwas Wasser von einem Wasserfall „angezapft“ und zum Trinken verteilt. Danach hat es uns nach drinnen und zur heißen Schokolade gezogen – die kalten Knochen mussten aufgewärmt werden.

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Lustig war: ich quälte meiner Zunge ein „To koppen varm sjokolade.“ ab, der Kerl drehte sich um und gab weiter „To kaba!“ und grinste mich leicht schief an. Danke, Kaba kann ich auch 😂

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Zurück im Hostel saßen die anderen Mädels bereits beim Mittagessen. Wir gesellten uns zu ihnen – mal wieder eine rein deutsche Gruppe (jetzt mal abgesehen von den Agenturdamen 😉) Nachdem wir auf unsere Zimmer eingeteilt worden sind und kurz Zeit hatten, trafen wir uns wieder in der Lobby, um zu Bryggen zu laufen. Es gab ein wenig Geschichte zu den alten und berühmten Häuschen, danach wurden 20 deutschen Mädels gleichzeitig auf die Stadt los gelassen. Wer Probleme hatte, konnte mit den Agenturdamen reden, aber da mich das nicht betraf, zog ich die ganze Zeit mit den anderen durch die Gegend.

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Zuerst liefen wir in Richtung der Wasserfontaine kurz hinter dem Zentrum, von dort aus zu dem Blumenpavillon direkt dahinter. Die Gruppe zog gerade weiter, da sah ich aus dem Augenwinkel einen mir bekannt vorkommenden schwarzen Haarschopf auf einer Bank sitzen. Ich sah genauer hin – und tatsächlich! Dort saß eine Freundin aus der Schule, die gerade ein Auslandssemester in Oslo macht. Ich platzierte mich ziemlich direkt vor ihr. Im ersten Moment sah sie mich leicht verwundert an, bevor sich das Wiedererkennen in ihrem Gesicht ausbreitete. Wir verabredeten uns für später und ich lief zusammen mit dem Mädchen, mit dem ich mich bis dahin unterhalten und das auf mich gewartet hatte, hinter den anderen her.

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Diese standen gerade etwas unschlüssig vor „Dem blauen Stein“ und überlegten wohin es als nächstes gehen könnte. Der Entschluss fiel auf die Souvinirshops bei Bryggen.

Ehrlich gesagt tut mir die Dame aus dem ersten Shop etwas leid – plötzlich stand ein ganzer Pulk Mädels im Laden und verließ ihn wieder, ohne irgendetwas gekauft zu haben. Im zweiten oder dritten Laden verlief sich die Gruppe dann langsam und spätestens nach dem vierten hatten sich die meisten von uns verabschiedet.

Ich machte mich mit 5 anderen Mädels auf den Weg zur Bergenhus Festress, eine Festung hinter dem Hafen und Bryggen. Betreten haben wir sie jedoch nicht und sind schon recht bald zurück gelaufen. Hier trennte ich mich von den anderen AuPairs, um mich mit meiner Freundin auf einen Kaffee zu treffen.

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Wir haben uns komplett (aber wirklich komplett 😂) verquatscht, sodass ich mich viel zu spät auf den Weg zurück ins Hostel machte und als letztes ankam. Aber Zeit für ein Selfie musste sein 😁

Die Agenturdamen führten uns in ein Restaurant, in das wohl keiner von uns ansonsten gegangen wäre. Es sah von außen einfach unbeschreiblich teuer aus. Klar, günstig war es nicht (ist hier eigentlich nichts), trotzdem war das Preisleistungsverhältnis super. Doch es war schwierig etwas vegetarisches auf der Karte zu finden. Anschließend ging es in ein Studentenpub, in das man als Nicht-Student unter 20 normalerweise gar nicht darf. Aber als wir ankamen war noch nichts los und wirklich Lust lange zu warten hatten ich und 2 der Trondheimmädels auch nicht. Also gingen wir schon recht früh und machten noch ein paar Bilder mehr. Bergen bei Nacht sozusagen.

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Am nächsten Morgen ging es nach einem ausgiebigen Frühstück auf den Fløyen gestiegen, einem Berg direkt am Zentrum. Der Aufstieg war teilweise echt ziemlich anstrengend, hat sich aber mal wieder gelohnt. Und das Wetter (ich traue mich fast gar nicht es zu schreiben) war traumhaft. Nix vom immer verregneten Bergen zu sehen.

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Auf dem Weg fanden wir immer wieder Schilder von der unsichtbaren Hexe, die man im übrigen nicht fotografieren darf. Mit diesem Gag bezieht sich die Stadt auf seine eher unlustige Geschichte. Im Mittelalter herrschte in ganz Skandinavien wie auch in den meisten restlichen Teilen Europas rege Hexenverfolgung und in Bergen sollen noch bis heute viele ihrer Geister spuken.

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Nach ein paar verabschiedenen Worten der Agenturdamen wurden wir auf der Spitze des Berges entlassen. Ich lief ein wenig mit den anderen Trondheimmädels umher, machte Bilder und verlor den Objektivdeckel meiner Kamera: er schlitterte fröhlich klappernd die Kante runter und landete etwas weiter unten und sicher außer Reichweite im Gras. Mist.

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Ich musste mich auch schon als erstes von den anderen verabschieden, da mein Flug bereits um 3 zurück ging und man alleine zum Flughafen eine Stunde mit der Bahn braucht.

Zurück in Trondheim bekam ich mein Auto erschreckend leicht zurück – keine Papiere, kein Ausweis, nichts gebraucht. Ich frage mich, ob das mit einem VW oder einen Mercedes ebenso leicht gegangen wäre oder die Leute einfach nicht davon ausgehen, dass jemand so ein Auto klauen wollen könnte 😂

Die Rückfahrt war anstrengend – zwei Nächte mit zu wenig Schlaf und voller Aktivitäten sind doch ziemlich ermüdend. Doch ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen Elch in freier Wildbahn gesehen. *-*