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[Bilder, Gedanken] Monatsuptade #7 – Vom Reisen und dem langsam einsetzenden Frühling

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[Bilder, Gedanken] Monatsuptade #7 – Vom Reisen und dem langsam einsetzenden Frühling

** Den Text hatte ich tatsächlich rechtzeitig fertig, aber irgendwie war in den letzten zwei Wochen so viel Stress und los, dass ich nicht zum hochladen gekommen bin. Also mal wieder etwas zu spät (während ich parallel schon am nächsten Monat schreibe 😂) **

In Märchen ist die Sieben eine magische Zahl, eine Glückszahl, eine Zahl mit besonderen Kräften. Nein, ich bin nicht abergläubisch. Ich glaube auch nicht, dass an einem Freitag dem Dreizehnten besonders viele Unglücke geschehen. Aber rückblickend kann ich definitiv sagen, dass der letzte Monat gut war. Verglichen mit den vorherigen Monaten ist unglaublich viel passiert und inzwischen machen viele Dinge mehr Sinn.

Reisen und Busfahren war diesen Monat ein elementarer Bestandteil. Direkt am Anfang hab ich mir endlich eine Busfahrkarte geholt. Am Anfang hier hab ich den Bus so gut wie nie genommen, doch dann gingen nacheinander beide Autos kaputt und, auch wenn das eine noch irgendwie fährt und das andere durch ein neues ersetzt wurde, baten meine Gasteltern bereits vor rund 2 Monaten auf die Busse umzusteigen. Grundsätzlich ist das auch total okay: beim alten Mini-Bus weiß man nie so genau, was passiert (der Motor hört sich seit Ewigkeiten alles andere als vertrauenserregend an, die Scheibenwischer sind festgerostet und werden von Seilen in Position gehalten und die Batterie entlädt sich regelmäßig komplett) und den funkelniegelnagelneuen Hybrid möchte ich gar nicht fahren – zu viel Verantwortung. 😆 Also musste eine Busfahrkarte her, denn ansonsten fallen selbst die kürzesten Distanzen auf die Dauer gewaltig ins Geld. Das Problem mit der Jugendkarte ist bloß: man muss sie an einem der Verkehrszentralen abholen. Und die nächste liegt von mir aus schon über 1 1/2 Stunden mit dem Bus entfernt und weil die Busse nur zu so blöden Zeiten fahren, musste dieser Ausflug mit meiner Gastfamilie geplant werden. Jedenfalls: ich hab meine Buskarte, sie kostet mich jeden Monat rund 412 Kronen, aber dafür kann ich in der ganzen Møre- und Romsdalregion herum fahren. Und alleine mit zwei Hin- und Rückfahrten in die nächste Stadt hab ich den Preis wieder locker raus. Und das nutze ich seither auch: in jeder Woche nach dem Osterurlaub bin ich einmal in die nächste Stadt gefahren. Mal nach der Arbeit und mal an meinem freien Tag.

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Aprospos Ostern, über die Urlaube hab ich ja schon in #eins #zwei #drei #vier Schritten ausführlich geschrieben. Hier sei nur nochmal ganz kurz gesagt, dass ich die Tage mit allen Menschen, mit denen ich in der Zeit zu tun hatte, unendlich genossen habe und mir der Urlaub garantiert sehr lebendig in Erinnerung bleiben wird.

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Auch wenn es mit der Sprache schon seit einer Weile immer leichter klappt, war ich in den letzten Wochen doch immer wieder erstaunt, wie gut mir das Verstehen und Sprechen inzwischen von der Hand geht. Gesprächen anderer kann ich inzwischen inhaltlich fast immer folgen, auf norwegisch lesen strengt mich nicht mehr so extrem an, Fernsehen und sogar Radio hören funktioniert an den meisten Tagen auch ohne Verständnisprobleme. Zwar werde ich am Ende des Jahres wohl am leichtesten Gespräche über Landwirtschaft und Rinderzucht führen können, aber hey, das kann wahrscheinlich auch nicht jeder Sprachenlernende ohne großartig darüber nachdenken zu müssen. Mein persönlicher größter Triumph erfolgte vor ein paar Wochen, als ich mich auf der Autofahrt nach Trondheim etwas mehr als drei Stunden mit meinem Gastvater unterhalten habe und ich mir bei fehlenden Wörtern durch Umschreibungen helfen konnte.

Auch ansonsten fühle ich mich selbstbewusster mit der Sprache. Wenn ich etwas nicht verstehe, frage ich auf norwegisch nach. Wenn der Gegenüber auf englisch erklärt, antwortete ich trotzdem auf norwegisch. Wenn mich jemand nicht beim ersten Mal versteht, überlege ich kurz was falsch war und wechsle nicht ins Englische. Vielleicht werde ich norwegisch nie so perfekt sprechen und verstehen können, wie ich am Anfang gehofft habe, doch wahrscheinlich liegt das an meinen anfangs zu hohen Erwartungen.

Aber ganz insgesamt herrscht in meinem Gehitn ein totales Sprachchaos, weil ich oft schnell zwischen den drei Sprachen wechseln muss. Letzten Montag war es dann besonders extrem: ich hab seit ein paar Stunden Rezepte vom Deutschen ins Englische übersetzt, als der 13-Jährige mich bat, ihm bei seinen Deutsch Hausaufgaben zu helfen. Er diktierte also die norwegischen Sätze, die ich wiederum versuchte ins Deutsche zu übersetzen, während mein Kopf noch komplett im Deutsch-Englisch Modus war. Sag ich es mal so: manchmal musste ich so lange überlegen, dass er nicht wusste, ob ich seinen Satz nicht verstanden hatte oder ob deutsch auch für Muttersprachler eine fürchterlich schwere Sprache ist. 😆

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Das Verhältnis zu meiner Gastfamilie ist im Großen und Ganzen nach wie vor recht gut, beziehungsweise zu meinen Gasteltern ist die Beziehung gut. Es gab so ein paar Tage, an denen war ich mir nicht ganz sicher, ob etwas im Busch wäre, aber als ich sie darauf ansprach, war von ihrer Seite her alles in Ordnung. Zu den beiden Großen konnte ich nach wie vor null Beziehung aufbauen und inzwischen hab ich akzeptiert, dass sich das wohl auch nicht mehr ändern wird. Der einzige Kontakt findet statt, wenn ich dem ganz Großen bei seinen Deutschhausaufgaben helfe. Die Kleine ist momentan zwar super, super anhänglich, aber auch in einer unglaublichen Zicken-Phase. 😀 Zum Glück sind meine Gasteltern und ich da komplett auf einer Seite, was es insbesondere bei den Trotzanfällen leichter macht, zu deren Zeit ich arbeite. Trotzdem habe ich sie unglaublich lieb und mag noch gar nicht daran denken, wie bald meine Zeit hier zu Ende ist.

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Wettertechnisch ist es wechselhaft. Manche Tage sind richtig sonnig, an den anderen ist es stürmisch und verregnet. Wenn die Sonne scheint, ist es angenehm und warm genug, um mit Pulli raus zu gehen, ansonsten ist es noch recht frisch. Die Tage sind inzwischen über eine Stunde länger als in Deutschland. Sonnenuntergang ist irgendwann nach acht, wirklich dunkel ist erst ab halb 12, wenn ich um 5 kurz aufwache, ist es schon wieder dämmrig. Da ich leider ein Mensch bin, der bei Licht gar nicht schlafen kann und ich auch keine Vorhänge an meinem Fenster hab, schlafe ich momentan mit einem Sweatshirtpulli oder einem Schal über die Augen gewickelt und das geht soweit auch ganz gut 😀 Dafür beginnt es ganz, ganz langsam draußen frühlingshafrt zu werden. Der Schnee direkt bei uns hat Ostern begonnen zu schmelzen und ist inzwischen komplett verschwunden. Das Gras ist zwar noch größtenteils gelblich-vertrocknet, doch stellenweise sprießen schon grüne Hälmchen durch und die Krokuse haben gerade begonnen zu blühen.

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[Bilder, Reisen] Osterurlaub #4 Trondheim 31.3.-2.4.

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[Bilder, Reisen] Osterurlaub #4 Trondheim 31.3.-2.4.

Wir verließen also am Samstag nach dem Frühstück das Boot und machten uns auf den Weg zum Airbnb. Aufgrund unseres Sparkurses und weil es eh keine allzu gute Verbindung gab, entschieden wir zu laufen. Anders als in Tromsø schneite es in Trondheim zum Glück nicht und die Wege waren schon recht weit abgetaut. Das machte es deutlich leichter! Dafür war aber auch die Strecke um einiges länger. 😆

Doch es war ein schöner Weg. Wir liefen fast die ganze Zeit am Hafen entlang und ganz kurz an der Innenstadt vorbei. So leer hab ich die Straßen noch nie gesehen! Kaum ein anderer Mensch, kein Auto weit und breit, alles war wie ausgestorben. Total gespenstisch! Es hat nur noch die Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“ und ein vorbeifliegendes Büschel vertrockneten Grases (oder von mir aus auch Algen) gefehlt.

Nachdem wir unsere letzte Unterkunft bezogen und alles ein wenig inspiriert hatten, begaben wir uns wieder auf den Weg in die Innenstadt. Samstag hatten zum Glück alle Supermärkte und einige andere größere Läden bis zum späten Nachmittag geöffnet, sodass wir Lebensmittel einkaufen und ein bisschen durch die Läden schlundern konnten. Inzwischen waren auch mehr Menschen unterwegs, jedoch noch immer deutlich weniger als gewöhnlich. Glücklicherweise hatten meine Lieblingsläden offen, sodass ich Katha und Patrick zumindest dise zeigen konnte. Doch bereits um vier machten die ersten zu, um fünf die nächsten und um sechs fand ein großes Menschenraustreiben statt. Das war dann auch unser Zeichen zum Aufbruch und wir liefen zurück zu unserer Unterkunft.

Am Sonntag schliefen wir erstmal aus und nach einem langgezogenen Brunch zeigte ich den beiden ein wenig die Stadt. Das ich mich recht gut auskenne hatte den Vorteil, dass wir nicht ewig durch die Gegend irren mussten und (wenn aufgrund der Glättesituation nötig) recht leicht ausweichen konnten. Wir liefen also zunächst ein wenig am Nidelva entlang, beobachteten dort ein paar Enten und kamen schließlich von hinten auf den Stadtteil Bakklandet zu. Wir bogen jedoch vor den schnuckeligen Häuschen ab und liefen den Berg bis zur Festung Kristiansten empor. Hier genossen wir neben der Sonne und der Aussicht auch noch ein Kvikk-Lusj, bevor wir uns wieder auf den Weg in die Innenstadt machten. Nun ging es tatsächlich nach Bakklandet und ich war ehrlich gesagt total überrascht, dass sogar ein paar Cafés geöffnet hatten (immerhin war noch Ostern und normalerweise hat in der Zeit alles zu). Von der Gamle Bybru machten wir natürlich die typischen Touribilder, bevor wir zum krönenden Anschluss zum Nidaros Dom gingen.

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Inzwischen war es auch ziemlich kalt und ich freute mich ehrlich gesagt den ganzen Rückweg wie eine Königin auf ein warmes Essen (welches natürlich zunächst erst gekocht werden musste) 😆 Abends wurde nur noch ein wenig gequatscht, doch es ging schon recht zeitig ins Bett, da Katha und Patrick bereits um kurz nach sieben zum Bus mussten.

Ich stand zwar am Montagmorgen mit den beiden auf, legte mich jedoch direkt für zwei weitere Stunden Schlaf ins Bett, sobald die Haustür zugefallen war. Die Nächte zuvor sind definitiv allesamt zu kurz gewesen!

Und dann war der Urlaub auch schon fast wieder zu Ende. Mit zugegebenermaßen ziemlich gemischten Gefühlen saß ich im Bus zurück nach Hause. Einerseits war ich ziemlich traurig darüber, dass Katha und Patrick bereits im Flugzeug nach Kopenhagen saßen und dieser so perfekt unperfekte Urlaub bereits vorbei war und ich wusste, dass ich ihre Gesellschaft ziemlich vermissen würde. Andererseits freute ich mich auch schon wieder auf die Einsamkeit auf der Farm (zumindest ein bisschen), wenn ich auch wusste, dass die Umstellung nach elf Tagen mit Freunden und Menschen um mich herum wohl ziemlich schwer sein würde. Trotzdem – ich freute mich auf die Ruhe, den Blick aus meinem Fenster, ja sogar auf meine Gastfamilie und die Arbeit. Und ich war wieder zuversichtlicher darauf, dass dieses Jahr die richtige Entscheidung gewesen ist und im großen und ganzen eine sehr positive Erfahrung sein wird. Der Abstand zu meiner Gastfamilie hat mir gut getan: das Rauskommen, auf andere Gedanken kommen, wieder ganz uneingeschränkt ich sein können, ohne mir Gedanken zu machen, wie es auf sie wirken könnte. Ja, es ist an der Zeit zurück zu kehren.

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(Dieser letzte Abschnitt ist tatsächlich größtenteils auf der Busfahrt entstanden, während mir die Sonne ins Gesicht schien und ich die letzten Tage, Wochen, Monate Revue passieren ließ)

[Bilder, Reisen] Tag 16 auf der Südinsel – Invercargill

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[Bilder, Reisen] Tag 16 auf der Südinsel – Invercargill

Wir wollten uns am Freitagmorgen eigentlich mal wieder den Sonnenaufgang anschauen, aber das Wetter wollte mal wieder nicht so ganz wie wir. Schön sah es trotzdem auch, auch wenn die Himmelsfärbung gefehlt hat. Der See hatte ein leicht dramatisches Aussehen und wirkte ziemlich mystisch. 

Der Bus wartete bereits mit den anderen vor dem Abholort, allerdings sollte die Abfahrt erst eine gute Stunde später stattfinden. Es war allerdings trotzdem gut, dass wir bereits früher da waren, denn das Anhängerbeladen stellte sich als ziemliches Puzzle heraus.

Schließlich war dann doch alles verstaut und wir machten uns auf den Weg Richtung Invercargill. Unterwegs gab es nur einen Stopp, nämlich bei irgendeinem See. Allerdings konnte man aufgrund der dichten Regenwolken nicht wirklich allzu viel sehen. 

In Invercargill selber mussten jene, die ursprünglich nach Stewart Island wollten, erfahren, dass die Fähre aufgrund der Unwetter nicht abfahren kann. Und so blieben wir alle in der Stadt mehr oder weniger stecken. 

Dominik und ich liefen ein wenig durch die Stadt, besuchten Neuseelands ältesten Tuatara (eine Tierart, die angeblich am unverändertsten von den Dinosauriern abstammt) im Museum und liefen noch ein wenig durch den Queens Park, bevor wir uns zurück in die Innenstadt und ins Burgerfuel machten.

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Burgerfuel ist eine neuseeländische Burgerkette, die verdammt leckere Kumara Fries (Süßkartoffelpommes) macht und deren Burger im Vergleich zu Mecces und Co ziemlich lecker schmecken. Ausklingen ließen wir den Abend bei einem Kombucha im Hostel und später strickte ich endlich eine Mütze, die ich bereits in Auckland angefangen und anschließend stark vernachlässigt habe, fertig.

[Bilder, Reisen] Tag 8 auf der Südinsel – Westport

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[Bilder, Reisen] Tag 8 auf der Südinsel – Westport

Irgendwie konnte ich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag keinen Schlaf finden. Also hab ich mir meine Kamera geschnappt und habe versucht den wundervoll klaren Sternhimmel einzufangen. 

Am nächsten Morgen hieß es wieder einmal hoffen und bangen, ob wir auf dem Bus sind. Die schlechte Nachricht zuerst: unsere Namen standen weder auf der Passagierliste noch auf der Warteliste. Nun die gute Nachricht: zwei Leute sind nicht aufgetaucht und dadurch konnten wir zumindest bis zum nächsten Stopp weiter fahren.

In Westport selbst gibt es nicht wirklich etwas zu sehen, dafür haben wir auf der Fahrt einige sehr sehenswerte Stopps eingelegt. Neben einigen Blicken auf die Südlichen Alpen, der Bergkette, die die komplette Südinsel durchzieht, sahen wir unter anderem auch die längste Hängebrücke Neuseelands, die Buller Gorge Swing Bridge. Außerdem stoppten wir beim Kilkenny Lookout, von dem aus man einen guten Blick auf einen kleinen Teil des unteren Buller Gorge Flusses erhaschen kann. 

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Kurz vor unserem Endziel kamen wir am Cape Foulwind vorbei. Hier liegt eine kleine Robbenkollonie, die man von einem Aussichtspunkt aus beobachten kann. Wenn man dem Pfad ein kleines Stück weiter folgte, gelangte man zu einem Hügel, von dem aus man einen ziemlich coolen Blick auf das Meer mit dem Gebirge im Hintergrund hatte. 

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Wie gesagt, in Westport selbst gibt es nicht wirklich viel zu tun. Zumindest nicht im Winter. Im Sommer soll der Strand wohl perfekt zum Surfen geeignet sein und dann ist wahrscheinlich auch die ganze Stadt ein wenig belebter.

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Ein kleiner Nachtrag: Nachdem ich diesen Beitrag hochgeladen habe, sind Dominik und ich nochmal kurz raus gegangen und haben noch genau den Sonnenuntergang gesehen und wie er die Berge (und Schafe) pink färbte. Oh, und Dominik hatte seine ersten Fish and Chips hier (und befand es als lecker 🙂 ).

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[Reisen, Alltag] Busfahren in Auckland

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[Reisen, Alltag] Busfahren in Auckland

Nach einigem Überlegen hab ich entschieden, doch einen Blogpost zum Thema Busfahren zu schreiben. Denn das ist in Auckland auch so eine Sache, wenn man nicht an einer Bushaltestelle für den Inner- oder Outerlink wohnt.

Im Voraus: Das Bussystem ist chaotisch, unorganisiert und macht oft nicht wirklich viel Sinn. Die Busrouten sind weniger wie ein Spinnennetz aufgebaut, bei dem es in Kreisen und Verknüpfungen von der Mitte nach draußen und von draußen zurück in die Mitte geht; viel eher erinnert es an ein komplett verworrenes Wollknäul, das in einem unbeobachteten Moment dem Kind und seiner Schere zum Opfer gefallen ist und danach noch von der Katze einmal quer durch die Stadt gejagt wurde: Viele offene Anfänge und Enden, die in einem unorganisierten Wirrwarr zusammengefasst und als ein ganzes System bezeichnet werden.

Auch wenn es das Gerücht gibt, dass das Bussystem erst vor kurzem überarbeitet wurde – wirklich viel merkt man davon nicht. Abgesehen von dem Inner- und Outerlink, die im City Center fahren und nur die wichtigsten Punkte und Straßen abklappern, gibt es einen ganzen Haufen von Nummernbussen (Und mit ganzen Haufen meine ich wirklich ziemlich viele). Und jeder dieser Nummernbusse kocht sein eigenes Süppchen. Heißt, die Busverbindungen bauen kein bisschen aufeinander auf und fahren nur ihre Strecke von A nach B. Wenn man aber nicht von A nach B möchte, sondern lieber nach C und man umsteigen muss, kann es durchaus passieren, dass man mitten auf der ersten Strecke aus dem Bus aussteigen und erstmal 2-3 Kilometer laufen muss, um an die Haltestelle des Busses nach C zu gelangen. Klingt kompliziert? Ist es auch. Und ziemlich unbequem obendrein.

Ein anderes Beispiel, bei dem ich das auch immer wieder merke, ist die Bus-Zug-Zusammenarbeit. Denn die funktionieren oft auch nicht wirklich. Wenn ich zum Beispiel von mir Zuhause aus in die Innenstadt will, ist es von der reinen Fahrtzeit her schneller, wenn ich erst mit dem Bus zu dem nächsten Bahnhof fahre und dann von dort mit dem Zug Richtung Transport Center in der Innenstadt. Praktisch sieht das jedoch etwas anders aus. Denn da fährt der Zug genau zu der Zeit, wenn mein Bus ankommt. Und dadurch heißt es dann 30 Minuten auf die nächste Bahn warten.

Da ist es doch schneller, den ganzen Weg im Bus zu hocken – was trotzdem eine gute Stunde dauert, für eine Strecke, die man normal mit dem Auto in vielleicht 30 Minuten fahren würde. Aber das liegt daran, dass die Nummernbusse die ganzen kleinen Nebengässchen und Straßen abklappern und in Schlangenlinien durch die Gegend gurken. So gibt es Bushaltestellen in Straßen, in denen normalerweise vielleicht 10-15 Autos die Stunde fahren. Und natürlich mindestens ein Bus in jede Richtung pro halber Stunde. Macht Sinn, nicht?

Auch sonst sind die Bushaltestellen an sich eine schöne Sache: In der Theorie sind alle Bushaltestellen durchnummeriert und werden durch Schilder, Abfahrtspläne und Straßenmarkierungen als eben solche ausgewiesen. Praktisch hat aber bei weitem nicht jede Bushaltestelle einen Abfahrtsplan hängen. Das ist an sich kein großes Drama, wenn man zumindest die Bushaltestellennummer an dem Bushaltestellenschild stehen hat und zumindest so über die App überprüfen kann, ob man an der richtigen Haltestellennummer steht. Wenn aber auch die Haltestellennummer fehlt, wird es wirklich knifflig. Man erhält zwar über die App die Adresse des Hauses vor der Haltestelle, aber oftmals findet man weit und breit kein Straßenschild. Und die Hausnummern stehen  auch gefühlt nur bei jedem 6. oder 7. Haus dran. Und dann steht man mitten im Nirgendwo einer Großstadt und fragt sich: bin ich gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort? Fährt mein Bus überhaupt hier lang? Und vor allem, wann genau kommt er? War er vielleicht schon hier? Und so weiter.

Und auch im Bus mangelt es oft an Orientierung – zumindest wenn man eine Strecke zum ersten Mal fährt und sich dort noch nicht so gut auskennt. In den Bussen gibt es keinerlei Informationen, wo man sich gerade befindet. Wenn man eine Strecke öfter fährt oder die Umgebung kennt, mag das kein Problem sein. Ansonsten ist es eher unpraktisch. Und so sitzt man schon mal mit Handy und angeschaltetem Google Maps im Bus, nur um zu wissen wo man gerade ist und wie weit es noch bis zur Zielstation ist. Übrigens ist das auch eine ganz gute Möglichkeit, um Touris von Ortskundigen zu unterscheiden 😉

Es kann manchmal auch schon schwierig sein, überhaupt raus zu finden, ob der Bus schon an der Haltestelle war oder nicht. Ebenso wie die Kiwis an sich, sind nämlich auch ihre Busse nur selten pünktlich. An den Abfahrtplänen der Haltestellen stehen manchmal (aber definitiv nicht immer) zwei verschiedene Abfahrtszeiten: Eine, wann der Bus planmäßig in der Umgebung ist und eine, wann er durchschnittlich an der Haltestelle ankommt. An den meisten Zeitplänen fehlt die zweite Angabe jedoch und so kann man nie genau wissen, ob man sich gerade am Anfang oder am Ende der jeweiligen Umgebung befindet und ob der Bus eher eine Minute vor oder nach geplanter Abfahrt kommt. Aber es ist sowieso insgesamt ratsam, fünf bis zehn Minuten vor der geplanten Abfahrtszeit an der Haltestelle zu sein. Immerhin weiß man nie, wie pünktlich der Bus wirklich ist und ob er nicht vielleicht gerade heute etwas früher fährt. Wobei er auch genauso gut später fahren kann. Oder manchmal auch gar nicht. Pünktlich und zuverlässig wie die Deutsche Bahn – nur ohne Informationen.

Und so gibt es in Neuseeland meistens nur zwei verschiedene Gründe, wenn Menschen in der Gegend umher rennen.

  1. Der Rennende ist sport- und fitnessbegeistert und möchte was für seine Gesundheit tun.
  2. Der Rennende sieht gerade seinen Bus vorfahren und versucht noch irgendwie ihn zu erreichen.

Es ist nicht immer leicht zwischen Typ 1.) und Typ 2.) zu unterscheiden, was aber oft auch daran liegt, dass hier eh die Hälfte aller Menschen immer in Laufhose, Laufschuhen und Laufshirt rum läuft, Kuchen futternd im Café sitzt oder einfach shoppen geht. Wirklich sicher kann man den Buverpassenden daran erkennen, dass er mit wild winkenden und rudernden Armen auf den Bus zu oder hinter ihm her rennt – und eventuell kann man vom Fenster aus sehen, dass er versucht dem Fahrer etwas zuzurufen wie „Stop! Wait form me!“ or so. It might sometimes be „Shit“ or „I get married in an hour and can’t be late!“ You never really know.

Dann gibt es ebenso wie bei den beiden Arten des Rennenden auch zwei Arten von Busfahrern.

  • Busfahrertyp 1.) wird die 10-20 Sekunden, die der Rennende noch bis zur Tür braucht, abwarten, ihn einsteigen lassen und vielleicht mit einem strengen Blick tadeln oder einen Spruch klopfen wie „Why did you get out of breath?“ oder „Had a nice run?“ und dann einfach ganz normal weiter fahren.
  • Wohingegen Busfahrertyp 2.) warten wird, bis der Rennende fast auf der Höhe der Tür ist, diese dann schließen wird und den fassungslosen Fahrgast einfach stehen lässt.

Ich für meinen Teil bevorzuge eindeutig Busfahrertyp 1.) 😉

Um überhaupt den Bus anzuhalten, muss man dem Fahrer zuwinken, bevor der Bus an der Haltestelle vorbei fährt. Ansonsten kann es passieren, dass er dir einmal kurz zuwinkt, symbolisch seinen Hut antippt und eben nicht anhält. Man kann also durchaus zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen sein und trotzdem den Bus verpasst haben. Wenn der Bus dann hält und man einsteigt, begrüßt man kurz den Fahrer, bevor man seine AT HOP Card einloggt und sich seinen Platz sucht. Am besten ist der Busfahrer zu dieser Zeit schon los gefahren und man landet auf dem Schoß einer älteren asiatischen Dame. Oder zumindest auf ihrem Beifahrersitz, wenn der Bus mal nicht so voll ist. Immerhin werden die freien Sitzplätze neben dem jeweiligen Fahrgast nicht von der Tasche blockiert wie um zu sagen „Nein, ich will den freien Platz nicht teilen!“, sondern finden eher zwischen den Beinen oder auf dem Schoß Platz.

Bevor man aussteigt, trägt man seine HOP Card aus und ruft dem Busfahrer ein „Thank you!“ zu. Am Anfang bin ich mir dabei wirklich komisch vorgekommen, aber da es hier so normal ist und man sich eher einen bösen Blick vom Busfahrer fängt, wenn man es nicht macht, ist es inzwischen total zur Gewohnheit geworden. Mal sehen, wie das in Deutschland wird, wenn ich dort das erste Mal wieder Bus fahre und ob ich mir dann auf die Zunge beißen muss, um nicht ein „VIELEN DANK!“ durch den Bus zu schmettern. 😀 Wobei, die Blicke wären es mir sogar fast wert.

Die oben genannte AT HOP Card ist eine günstigere Möglichkeit, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. So zahle ich mit Card für die Strecke von mir Zuhause in die Stadt „nur“ NZ$4.85, während es ohne Card NZ$7 wären. In allen öffentlichen Verkehrsmitteln (beziehungsweise bei Zug und Fähre davor) befinden sich kleine Geräte, vor die man die Karte beim Zu- und Aussteigen hält und über die dann automatisch der Fahrbetrag abgebucht wird. An sich ist das ein ziemlich praktisches System, solange man daran denkt, die Karte regelmäßig wieder mit Geld aufzuladen.

Die Kosten der Fahrt werden durch die gefahrenen Zonen bestimmt. Auckland ist in insgesamt 13 Zonen eingeteilt und je nachdem in wie vielen Zonen man fährt, variiert der Preis. Dieses System ist so lange schön und gut, wie man in einer Nachbarzone des City Centers wohnt. Wenn man aber so wie ich am Rand zur nächsten Zone lebt und dadurch bis ins Zentrum durch drei verschiedene Zonen muss, wird es teuer. Zumal ich nicht länger fahre, als manche, die nur durch zwei Zonen müssen. Für mich würde es mehr Sinn machen, wenn der Preis nicht nach den Zonen, sondern nach der tatsächlichen Fahrtzeit berechnet wird. Aber egal. Dafür kann ich relativ günstig stundenlang in die andere Richtung fahren. Nur dass es dort kaum interessantes zu machen gibt. Auch schön ist, dass man manchmal aufgrund dieser Unterteilung in Zonen für das gleiche Ziel verschiedene Preise bezahlen muss, je nachdem, durch welche Zonen die Busse lang gefahren sind und wo man umgestiegen ist. Das sollte man vor Antritt einer längeren Busfahrt definitiv beachten. 😀

Doch auch wenn das Bussystem in Auckland an vielen Stellen hapert, bin ich doch froh, dass überhaupt Busse zu einigermaßen regelmäßigen Zeiten fahren und man auch relativ spontan irgendwo hin fahren kann. Und solange man einen genauen Plan hat wann man wie und wo sein und später aussteigen muss, kann eigentlich nicht so viel schief gehen 😉

Unbenannt


Ein kleiner Nachtrag, auf den mich eine Freundin hinwies: Positiv erwähnen sollte man die Freundlichkeit der (meisten, definitiv auch nicht aller) Busfahrer und dass die Atmosphäre im Bus insgesamt angenehmer und entspannter als in Deutschland ist. Aber das kommt wahrscheinlich eher von der allgemeinen Lebenseinstellung unserer lieben Kiwis und weniger von dem Bussystem als solches 😉